Pop in Deutschland hat ein Problem: Die kulturelle Hegemonie liegt bei der Mittelschicht. Während die britische Unterschicht alle paar Jahre neue Formen entwickelt, den Willen zur Bereicherung mit dem Gefühl der Rebellion zu verbinden, liegt diese Aufgabe in Deutschland in den Händen von Studenten.

Jurastudenten etwa wie Carsten Friedrichs, dem Sänger von Superpunk. Adrett steht er auf der Bühne des Berliner Clubs Bastard, sieht in seiner Trainingsjacke aus, als könnte er auch für die HypoVereinsbank werben, und singt, er habe einen Mann entführt, um sich von dem Lösegeld "neue Zähne für meinen Bruder und mich" machen zu lassen. "Ich habe keinen Hass auf die Reichen, ich möchte ihnen nur ein bisschen gleichen." Klassenkampf, Examensstress, Protest gegen die Reform der Pflegeversicherung? Eher ein Jargon der Uneigentlichkeit. Schließlich braucht man keinen Bergarbeiterstreik, um die Musik der britischen Mods aus den frühen Achtzigern nachzustellen, jene Mischung aus Soul-Einflüssen und "Den Reichen geht es gut, den Armen geht es schlecht"-Textminiaturen. Man braucht nur ein treibendes Schlagzeug und den Furor des ewigen Underdogs. Dann singt man Geschichten wie die eines Lastwagenfahrers, der einen Fabrikanten vermöbelt, und reimt Zeilen wie "Sie machten einen Psychopathen aus ihm, einen Idioten/Die herrschende Klasse zu schlagen ist streng verboten." Das ist allerdings noch nicht alles. Man braucht auch ein Publikum, das die Pose als Pose erkennt: Studenten eben.