Amerika hat seine Helden mit Blumenkränzen und Dankgebeten empfangen.

Aber die Stunde der Erleichterung und des patriotischen Hochgefühls ist schnell verflogen. Kaum sind die Eingeschlossenen von Hainan heimgekehrt, da überlegen die Verantwortlichen im Pentagon, einen Flugzeugträger ins Südchinesische Meer zu entsenden. Sie möchten die Aufklärungsflüge vor Chinas Küste künftig durch Kampfjets schützen. Hat Pekings Parteiblatt Renmin Ribao den Sieg im "Kampf der chinesischen Regierung und des Volkes gegen die US-Hegemonie" zu früh vermeldet?

Am 1. April sind über dem Südchinesischen Meer nicht nur zwei Militärflugzeuge kollidiert, sondern auch die Ambitionen zweier Mächte, deren Rivalität die Politik in Fernost auf Jahrzehnte ähnlich prägen könnte wie einst der Kalte Krieg das Ost-West-Verhältnis.

Ein Gegner vom Rang der furchteinflößenden Sowjetunion ist China noch lange nicht. In der Rüstungstechnologie hinkt es Amerika gut und gern zwei Jahrzehnte hinterher. Der High-Tech-Krieg der Amerikaner am Golf führte Chinas Generalität schmerzlich vor Augen, wie veraltet die eigenen Waffensysteme sind. Seither wächst der Verteidigungshaushalt überproportional, allein in diesem Jahr um 18 Prozent.

Nicht Chinas militärisches Potenzial fordert Amerika heraus, sondern seine ungeheure wirtschaftliche und gesellschaftliche Dynamik. Seit Beginn der Reformpolitik unter Deng Xiaoping Ende der siebziger Jahre wuchs die Wirtschaft jährlich um knapp zehn Prozent - eine beispiellose Explosion ökonomischer Kraft! Die Gier nach Reichtum treibt das Land voran. Und das Verlangen nach Respekt. Chinas verwundete Seele, noch immer gepeinigt von zwei Jahrhunderten der wirtschaftlichen und geistigen Stagnation, der kolonialen Demütigung, des Bürgerkriegs und des Kollektivierungswahns, schreit nach Anerkennung. Nie mehr herumgestoßen werden! Es ist das große, etwas diffuse nationale Gefühl, das der Kollision mit Amerikas Spionageflugzeug seine Dramatik gab.

Statt Einbindung heißt es nun wieder Eindämmung

Wie umgehen mit dem unsicheren Riesen in Fernost? Bill Clinton, einst angetreten mit dem Versprechen, anders als sein Vorgänger Bush sen. nicht länger "Diktatoren hätscheln" zu wollen, strebte am Ende gar eine "strategische Partnerschaft" mit Peking an. Unter seinem Nachfolger zeichnet sich erneut eine Kurskorrektur ab: statt Einbindung nun wieder Eindämmung.