Die Züchtungsfantasien einschlägiger Naturforscher mögen nicht gut für die Altmenschen sein, für das Kino sind sie es aber auch nicht. Denn wie soll man diese Schauermärchen übertrumpfen? Der französische Regisseur Mathieu Kassovitz (Hass) hat's versucht und tritt in Die purpurnen Flüsse den Menschenbastlern artig entgegen. In einer französischen Elite-Universität, hoch in den Alpen, züchtet ein heidnischer Orden kapitalismuskompatible Übermenschen, die top aussehen, flott rennen und auch beim Rechnen nicht von schlechten Eltern sind. Der Züchtungsvorgang geschieht allerdings noch auf klassische Weise, und zwar mittels Zwangsheirat und Kindesaustausch. Doch wie immer bei hochgezüchteten Erlösungsprojekten ist irgendeiner dagegen und findet das Ganze nicht so toll. Ein Opfer nimmt Rache an seinen Peinigern

durch Handabsägen, Augenausstechen und andere Bestialitäten reduziert er seine Züchtungsväter auf ihren hinfälligen Rest. Aber es gibt Spuren, und wo eine Spur ist, ist auch ein Kommissar, in diesem Fall gleich zwei: Jean Reno und Vincent Cassel, die ihr Bestes geben, um die Abscheulichkeiten aufzuklären. Im ewigen Eis kommt es zu einem ziemlich dämlichen Finale, bei dem die Bösen zur Hölle fahren und die Naturbelassenen menschlich werden.

Dann geht die Sonne auf, und das leidlich spannende Spektakel rutscht auf seiner eigenen Endmoräne zu Tal. Wenn das Abendland mit solchen Filmen verteidigt werden muss, ist es sowieso nicht mehr zu retten.