Ein Szenenbild in bester Bühnentradition: ein einfacher Wohnraum, karg ausgestattet mit Tisch, Stuhl und Kommode. Hinterm Tisch hochgetürmt sitzt Otto, davor knurrt Mops

"ottos mops trotzt". Drei schlichte Wörter von Ernst Jandl, dem experimentellen Lyriker aus Wien, signalisieren Verstimmung zwischen Herrchen und Hund. Im Bild des Buches: Klein, gedrungen, fett und aggressiv bäumt sich Mops vor Otto auf, der vor Schreck vom Stuhl zu fallen scheint - bei Norman Junge, Krieg im Bilderbuch.

Das Beziehungsdrama beginnt, denn Mops lässt sich nicht mit Worten abspeisen.

Kurz entschlossen reißt er die Tischdecke herunter und verschwindet durch die hintere Tür des Bühnenraums

Herrchen schaut ihm ratlos hinterher. Die Veränderungen im Raum sind gering, aber gravierend. Die fliegende Tischdecke wird inmitten des scheinbar trauten Heims zum bewegten Fremdkörper, Zeichen für Streit und Konflikt oder - glatt gestrichen - für trügerische Ruhe. Mops ist ausgesprochen hinterhältig und destruktiv: Während Otto gutmütig auf allen Vieren unterm Tisch sitzt und mit einer Banane lockt - "otto: mops mops" -, thront Mops triumphierend hoch oben auf dem Tisch. Während Otto lächelnd unter den Tisch schaut, um seinen Liebling wieder zu finden, springt Mops, bewaffnet mit einem Hundeknochen, ganz plötzlich aus der Kommode.

Norman Junge hat Knappheit und Komik der Jandlschen Sprache genial und böse in bildnerische Form übertragen: eine Groteske, die das Absurde im Alltäglichen sichtbar macht. Er reduziert sein Bühnenbild auf wenige Requisiten, um den beiden Akteuren freien Raum zu lassen, und Mops ist dabei eindeutig der Überlegene, der sein Herrchen an der Nase herumführt.

Der Blick in den kleinen Bühnenraum bleibt konsequent frontal wie im Theater.

Dafür verändert sich aber, je nach Stimmung und Situation, der Raum selbst.

Junge verzieht ihn mal zu einem verschachtelten Gebilde ohne rechte Winkel, dann wieder kippt er ihn zur Seite oder lässt seine Wände zerfließen. Auf dem Höhepunkt des kleinen Dramas taucht der Illustrator das Bild, bis dahin in warmen rotbraunen Tönen gezeichnet, in fahles gelb-blaues Licht, denn "ottos mops kotzt".

Die Freiheit des Illustrators erlaubt es Norman Junge, zu Ernst Jandls Verszeile ein Motiv einzuführen, das der aufmerksame Betrachter schon zuvor im Flur entdecken konnte: Ottos Hut. Aus Versehen oder um Herrchen vollends in Wut zu bringen oder aber um das überfällige "Gassi gehen" zu erzwingen, verschlingt Mops den Hut und erstickt fast daran. Doch Otto tröstet das arme Tier. Am Ende des Buches geht Mops offensichtlich als Sieger aus diesem ewigen Machtkampf zwischen Groß und Klein, zwischen Erwachsenem und Kind, hervor, denn der Hut seines Herrn fliegt durch die Luft - das Spiel geht weiter. Ogottogott.

* Ernst Jandl & Norman Junge: ottos mops

Verlag Beltz & Gelberg, Weinheim 2001

32 S., 26,80 DM (ab 5 Jahren)