Es war überfällig, den Blick weg von Lächerlichkeiten wie den Pöbeleien eines Herrn Trittin oder den Deutschtümeleien gewisser Unionspolitiker auf das zu lenken, was wirklich skandalös ist. Eine Staatsanwaltschaft weigert sich, eine der (mutmaßlich) größten Korruptions- und Vertuschungsaffären in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland aufzuklären. Der frühere Minister Bohl darf einfach Akten aus dem Kanzleramt mitnehmen - es gibt nicht einmal eine Anzeige wegen mutmaßlichen Diebstahls. Niemand fühlt sich berufen, gewisse Staatsanwälte dazu anzuhalten, ihre Pflicht zu tun. Und auf dieses Land soll man stolz sein?

Siegmar Henkes, Aachen

"Wir wollten Gerechtigkeit, gekommen ist der Rechtsstaat." Liebe Bärbel Bohley, wenn er doch gekommen wäre! Warum nehmen uns Bonner Staatsanwälte auch noch diesen Glauben an das Vorletzte? Der Rechtsstaat ist ja nicht nichts. Und wenn man das erhoffte "Letzte", Gerechtigkeit, nicht haben kann, dann sollte man das "Vorletzte", den Rechtsstaat, nicht verachten. Wenn aber Staatsanwälte durch Nichtstun den Rechtsstaat zu einem Nichts machen, dann arbeiten sie denen in die Hände, die die "Bonner Ultras" (Originalton DDR-Staatsbürgerkunde) schon immer der politischen Klassenjustiz bezichtigten. Sind vor dem Gesetz alle gleich, einige gleicher und wenige unvergleichlich, weil ihre historischen Verdienste begangenen und immer noch anhaltenden Rechtsbruch aufwiegen? Als der frisch gewählte Kreistag Naumburg in den Wendewirren 1990 über das Verbleiben des Kreisstaatsanwaltes in seinem Amt zu beraten hatte, da musste dieser sich sagen lassen, dass die "Unabhängigkeit der Justiz" nicht nur ein Recht, sondern auch eine Verpflichtung sei, der er nicht nachgekommen war. Offensichtlich wurde das nicht nur von ehemaligen DDR-Staatsanwälten übersehen. Wer aber mahnt nun die Bonner Staatsanwaltschaft, endlich ihre Pflicht zu tun? Meine Herren, seien Sie sich ihres Amtes nicht so sicher. Auch der Kreisstaatsanwalt von Naumburg hatte nie daran geglaubt, dass es einmal eine Wende geben würde.

Prof. Rüdiger Lux Leipzig

Solche "Storys" sind es, wegen deren man immer wieder sein Abonnement verlängert. Woanders - wenn überhaupt - kurz berichtet, hier die ganze Geschichte. Weiter so, gute alte Tante ZEIT.

Dr. Thomas Bauer, Senden

Man muss sich die Frage stellen, ob Deutschland noch als eine rechtsstaatliche Demokratie bezeichnet werden kann. Ein Land, in dem es immer noch keine unabhängigen Staatsanwälte zur Aufklärung politischer Affären gibt, ein Land, in dem den an der Aufdeckung eines politischen Filzes interessierten Staatsanwälten von höherer Instanz ein Maulkorb verpasst wird, ein Land, in dem Staatsanwälte trotz hinreichender Belege nicht gegen die im Kreuzfeuer der Ermittlung stehenden Spitzenbeamten und Spitzenpolitiker (vom ehemaligen Führungsgespann im Amt ganz zu schweigen) ermitteln und deshalb unschönen Spekulationen Tür und Tor öffnen und somit die Rechtsprechung mit Füßen treten, dieses Land ist dabei, seinen Ruf als rechtsstaatliche Demokratie zu verlieren.