PARIS: LAISSEZ-FAIRE!

Pierre Mure ist zuständig für Straßenverkehr und öffentliche Ordnung in der Pariser Polizeipräfektur

Wie streng sind Sie bei der Genehmigung von Massenkundgebungen?

Wir haben nur sehr selten Verbote ausgesprochen. Im Jahr 2000 beispielsweise wurden bei allen politischen Demonstrationen und sonstigen Großkundgebungen gerade mal zwei von 1117 Anträgen abgelehnt - aber da waren politische Erwägungen im Spiel. Parks sind in Paris selten betroffen. Es gibt nicht sehr viele Grünflächen, und die meisten Organisatoren kommen auch gar nicht auf die Idee, ihre Route dorthin zu legen. Am liebsten wollen alle über die Champs-Elysées oder die Place de la Concorde laufen. Das versuchen wir ihnen dann auszureden, wegen der Verkehrsbehinderungen.

Würden Sie denn die Love Parade in Ihre Parks hineinlassen?

Wir hatten ja selbst eine Techno-Parade, aber mit zuletzt 90 000 Teilnehmern war das kein besonderer Erfolg. Die größten Veranstaltungen waren die Katholischen Jugendtage mit über einer Million Teilnehmern im Hippodrome de Longchamps. 500 000 Besucher hatte das große Popkonzert mit Johnny Hallyday auf dem Champs de Mars. Und 100 000 die Gay Pride, das ist die große Kundgebung der Schwulen und Lesben. Die endete auch im Bois de Vincenne. Aber nur am Rande des Parkes, auf einer Fläche, die zwar Pelouse de Reuilly heißt - aber das ist gar kein Rasen, sondern Beton. Diese Veranstaltung macht am meisten Ärger - aber wegen mancher obszöner Zurschaustellungen.

Über einen zertrampelten Rasen regt sich niemand auf? Die Berliner sind zudem besonders besorgt über Müll und mangelnde Hygiene ...