Nicht gerade erfreulich sind auch die Schlagzeilen anderer großer Tageszeitungen. Mit "Bush sagt Taiwan Verteidigung zu", macht die "Frankfurter Rundschau" auf. "Daimler tief in den roten Zahlen", meldet das "Handelsblatt". Und die "tageszeitung" textet auf der Eins: "Wissenschaftler warnen: Tschernobyl verharmlost".

Kieps vergiftete Geschenke

Die überflüssige Million auf Kieps Konto wirkt wie eine Bestätigung auf den "Wir-da-oben-ihr-da-unten"-Komplex der Deutschen: Just als zum ersten mal ein Armutsbericht die zunehmende Spaltung der Bundesbürger in Arm und Reich belegt, findet der ehemaliger Schatzmeister der CDU Geld auf seinem Privatkonto, das weder ihm gehört, noch eine christliche oder demokratische Herkunft hat. Mit der Überweisung des Geldes an die CDU mag "Kiep aus der Kiste" ("Welt") einem weiteren Problem aus dem Weg gegangen sein. Ob die Million aus dem aufgelösten Liechtensteiner "Norfolk"-Konto stammt, eine umgeleitete Siemens-Spende oder die erste Tranche der Schadenersatzzahlung von Kiep an die CDU ist, beleibt jedoch offen.

Für die Union fängt damit der Ärger aber womöglich erneut an - Vorhang auf für den II. Akt des Bimbes-Theaters. "Formal ist (...) alles in Ordnung", schreibt Robert Birnbaum auf der Meinungsseite des "Tagesspiegel", "-politisch ganz und gar nicht. Man nimmt offenkundig schmutziges Geld nicht an - nicht als Privatmann, erst recht nicht als demokratische Partei." Dass die CDU damit nicht zur ersehnten Ruhe kommt, dürfte klar sein. "Die Parteiführung ahnt, dass es sich um ein vergiftetes Geschenk handelt", heißt es in einem Kommentar der "Süddeutschen Zeitung". "Das Geld reißt die Wunden der Parteispendenaffäre wieder auf, das erlahmte Interesse an den Machenschaften der CDU wird erneut entfacht." Wie jede Medaille, hat aber auch der Millionenfund zwei Seiten. "Für die Union ist der Fall Kiep (...) die Nagelprobe auf ihre wieder errungene Glaubwürdigkeit.", schreibt Johann Michael Möller im Titelkommentar der "Welt". Ob das wohl auch die nach dem Armutsbericht 2,8 Millionen Sozialhilfeempfänger in Deutschland so sehen? Wohl kaum. Die werden auch sicher nicht bestätigen wollen, was Robert Birnbaum im "Tagesspiegel" schreibt: "Geld, das man hat, ist manchmal schlimmer als Geld, das man nicht hat."

Bushfeuer

US-Präsident Bush hat sich am Mittwoch in einem Fernsehinterview zur Unterstützung Taiwans bekannt. Und das mit voller Wucht: Die USA, so Bush, habe die Pflicht, Taiwan im Falle eines Angriffs von Seiten Chinas zu verteidigen. Äh, beziehungsweise, Taiwan bei seiner Selbstverteidigung zu unterstützen. "Sollten diese (sinngemäß wieder gegebenen, die Red.) Worte keine seiner berüchtigten Versprecher gewesen sein, dann hätte Bush einen bedeutenden Richtungswechsel der amerikanischen China-Politik verkündet", bemerkt Henrik Bork in der "Süddeutschen Zeitung". "Es wäre ein Abrücken von seiner jahrzehntealten Politik der "strategischen Vieldeutigkeit" in der Taiwan-Frage.

Wie auch immer die Bush-Worte gemeint waren - China empfindet diese Aussagen als eine "offene Provokation". Soweit die üblichen Bekräftigungen noch immer ziemlich kühler Krieger, könnte man meinen. Immerhin will Bush im Herbst Peking staatsbesuchen. "Ob das eine richtige Strategie ist", fragt jedoch der "Tagesspiegel". China sei noch regionale Großmacht, bald Supermacht, "und auf dem Weg dorthin kommt Bush jr. den Chinesen texanisch?". Wobei "texanisch" bedeuten soll, dass die neue US-Regierung die Chinesen nicht länger als strategische Partner sondern als strategische Rivalen betrachtet. "Da darf sich niemand wundern, dass die chinesische Führung harsch reagiert", so der "Tagesspiegel" weiter. Nicht wundern, aber fragen, wie es in dem Konflikt wohl weitergeht. "Das Management dieses Konflikts erfordert wie im kalten Krieg, beides, Abschreckung und Entspannung, leitartikelt Michael Stürmer in der "Welt". "In Europa wird man sich an den Gedanken gewöhnen müssen, dass die Krisen und Kriege des 21. Jahrhunderts Asien als bevorzugten Schauplatz wählen werden." Woran sich gleich die nächste Frage anschließt: Welche Haltung nimmt Deutschland dann ein? "Bisher verschließt die Bundesregierung sich der Washingtoner "Kanonenbootpolitik", meint Karl Grobe in seinem Kommentar für die "Frankfurter Rundschau". "Das ist richtig so. Hielte sie diesen Kurs nicht durch , fände sie am Ende mal wieder "nichts zu kritisieren" an dem, was die Administration George W. Bushs so treibt, so gäbe sie die deutsche und damit die europäische Souveränität preis." Man darf deshalb gespannt sein, wie sich der Konflikt entwickelt. Nimmt er an Schärfe zu, wird die deutsche Außenpolitik auf eine harte Probe gestellt.