Man weiß nicht, worüber man sich mehr wundern soll - über die Sache selbst oder über die Art, in der sie uns dargestellt wird. Da will uns ein finanzieller Profi, ein früherer Versicherungsmakler und Landes-Finanzminister(!) - der Ex-Schatzmeister einer wichtigen Partei zudem - weis machen, er habe nebenher beim Aufräumen seines Schreibtisches eine Million gefunden; und da sie ihm irgendwie herrenlos vorkam, habe er sie sicherheitshalber mal der CDU überwiesen. Könnte ja auch denen gehören. Dummheit, weil man so nicht mit Geld umgehen darf? Oder Arroganz, weil man einer Öffentlichkeit von Bürgern, die doch überwiegend nicht einmal davon träumen darf, jemals eine Million Mark auf einem Haufen zu sehen, einfach nicht so kommen darf, als läge bei einem zuhause das Geld herum wie Heu? Oder dumm und arrogant zugleich?

Für dumm halte ich Walter Leisler Kiep nun wirklich nicht. Es muss also hinter dieser Geschichte noch viel Schlimmeres stecken, wenn jemand nicht mehr anders kann, als sich so dumm zu stellen - gewissermaßen als kleineres Übel. Das wirklich Dumme ist nun allerdings dies: Die CDU kann sich das Geld nicht einfach so zustecken lassen (und es auch nicht einfach zurück überweisen), ohne jetzt endgültig auf absolute und glaubwürdige Auf- und Abklärung zu dringen - übrigens nicht nur gegenüber Kiep, sondern auch gegenüber Kohl.

Insofern hat manchmal sogar eine (scheinbare) Dummheit ihr Gutes.

P.S.: Und wenn Sie an diesem Wochenende auf der Straße von jemanden angemacht werden mit der Frage "Hast'de mal 'ne Million" - dann wissen Sie: Da muss sich wohl einer ziemlich einschränken.