Es gibt eigentlich keine Definition von Glamour, für jeden bedeutet das etwas anderes, und das zu definieren ist im Grunde nicht möglich. Ich bewundere Frauen mit einem eigenen Stil, egal, ob sie darüber nachdenken oder nicht, ob sie billiges Zeug tragen oder Designermode. Selbstbewusstsein ist glamourös. Gleichzeitig haben Menschen, die ihre Zerbrechlichkeit nicht verstecken, auch sehr viel Glamour.

Kate Moss sah ziemlich glamourös aus in Ihrer letzten Kampagne, wie sie mit Marc-Jacobs-Schuhen hinter einer Gitarre von Jesse Wood, dem Sohn von Stones-Gitarristen Ronnie Wood, auf dem Studioboden lag?

Wenn man weiß, wer man ist, und einen gewissen Stolz hat, sieht man immer gut aus. Egal, wie und wo man liegt - erst recht auf dem Studioboden von Jesse Wood.

Und wieso nahm Sofia Coppola in der vorletzten Kampagne die rote Marc-Jacobs-Handtasche mit ins Bett? Dann lief sie mit der Handtasche durch einen leeren Park und ließ sie neben einem Eichhörnchen an einem Brunnen liegen.

Alle Bilder, die Juergen Teller für mich gemacht hat, sind eigentlich Porträts von verschiedenen Mädchen oder Frauen, die ich entweder schon lange kenne, die ich außergewöhnlich, sexy oder eindrucksvoll finde. Sofia Coppola, Kate Moss oder Lisa Marie, Tim Burtons Freundin, sind alle sehr unterschiedlich. Da geht es um Persönlichkeiten und ihr ganz eigenes Ding, das sie alle machen. Der eigentliche Spaß an der Mode ist es, darzustellen, wie man sich fühlt.

"Marc", Ihre neue Zweitkollektion, war ein großer Erfolg auf den Schauen in New York und wird diesen Sommer sicherlich nicht nur in den USA dafür sorgen, dass sämtliche Mädchen mit kleinen Birnenansteckern, Tellerkleidern, hellblauen Socken und puffärmeligen Jeansjacken herumlaufen werden. Für einen Marc-Jacobs-Pullover muss man jetzt nicht mehr 1000 Dollar zahlen. Ist "Marc" Marc Jacobs für Arme?

So ähnlich. Robert Duffy, mein Partner, und ich hatten diese Idee, eine weniger exklusive und einfachere Kollektion für die Straße zu machen, schon sehr lange im Kopf. Es gab vor allem viele junge Leute, die den Stil von Marc Jacobs ganz toll fanden, sich die Kleider aber nicht leisten konnten. Marc ist eben keine komplett andere Kollektion. Beide Linien, Marc Jacobs und Marc, entstehen aus der gleichen Haltung, haben nur ein paar unterschiedliche Elemente. Als wir durch die Geschäftsbeteiligung von Louis Vuitton Moët Hennesey die Möglichkeit und das Geld hatten, fingen wir sofort an zu produzieren. Dem LVMH-Konzern gehören jetzt 30 Prozent von "Marc Jacobs".