In der Märkischen Zeitung las sich der Vorfall anderntags so: »Wie das Polizeipräsidium mitteilte, wurden in der Nacht zum Samstag etwa 15 bis 20 Kübel umgeworfen und die Blumen ausgerissen ...«

Potsdam, du hast es schwer. »Die Akzeptanz der Veranstaltung«, so formuliert es ein Beobachter vorsichtig, »könnte im Verlauf des Sommers doch noch wachsen.« So recht freuen wollen sich die Potsdamer noch nicht auf das, was da auf sie zukommt. Einer, der sich nicht nur mit den Ausflugsschiffen auf den Havelseen auskennt, ist Thomas Kühn, Pressesprecher der Weißen Flotte. Er sieht es so: »Einer, der gut verdient, gilt hier immer noch als verdächtig. Von daher ist Initiative häufig behindert und misstrauisch beäugt worden.« Das soll jetzt anders werden, und dafür kommt die BuGa gerade recht. Eröffnung: 21. April. Am Tag zuvor will der Kanzler selbst noch mal zu den Blumen sprechen.

Blühende Landschaften, dritter Versuch. Nach Cottbus (1997) und Magdeburg (1999) hat nun also die Brandenburger Landeshauptstadt die Chance ergriffen, mithilfe einer ebenso betagten wie überdüngten Leistungsschau des Zentralverbandes Gartenbau (ZGV) seine eigene Stadtplanung voranzutreiben. Und sie will es besser machen als die beiden Vorgänger, die nach erheblichen Anstrengungen feststellen mussten: Eine BuGa macht noch keinen Aufschwung. Man stöhnt über zu wenige Besucher, über hohe Unterhaltskosten der Anlagen, über mangelndes Interesse am Unterhaltungsprogramm.

Grün ist die Hoffnung. »Wir wünschen uns 2,5 Millionen Besucher«, sagt Pressesprecherin Sabine Sommer in jedes ihr entgegengestreckte Fernseh- und Rundfunkmikrofon. 2,5 Millionen, dann wäre die Investionssumme von 311 Millionen Mark doch gerechtfertigt, was?

Potsdam. Wie viele Etiketten kleben schon auf dieser Stadt. Zentrum des Militarismus. Fritzens Sanssouci. Unesco-Weltkulturerbe, zuletzt beinahe aufs Spiel gesetzt wegen einer unseligen Einkaufspassage am Bahnhof. Preußens Arkadien. Garten-Ideallandschaft, geprägt von den Schöpfungen von Peter Joseph Lenné über Fürst Pückler bis zu Karl Foerster, dem Staudenpapst des 20. Jahrhunderts. So viel war von Anfang an klar: Es kann nicht darum gehen, den vorhandenen Parks einen weiteren hinzuzufügen. Aber da lag ja, im Nordosten der Innenstadt, dieses verrottete Militärgelände. Seit den Zeiten von Friedrich Wilhelm IV. abgesperrt, vernutzt und ausgelaugt. Ließe sich das nicht sanieren mithilfe einer Extraanstrengung und vielen, vielen Sondertöpfen? Böte sich nicht Gelegenheit, hoch symbolisch Abschied zu nehmen von Potsdams düsterem Erbe? Parole: Schwerter zu BuGa!

Aber von der Idee bis zur Realisierung ist viel Zeit vergangen, und die Zeit ist, wie nicht selten bei solchen Gelegenheiten, zu viel Streit genutzt worden.

Dabei war anfangs das Zauberwort so schnell gefunden, man sprach vom dezentralen Konzept. Vier Schauplätze, kühn Kulissen genannt, wurden erkoren: die »Orte am Fluss« wie die Freundschaftsinsel mit Foersters rekonstruierten Beeten, die »historische Innenstadt« mit einem entrümpelten Lustgarten, drittens ein wenig Gegend vor den Toren, eine Verknüpfung zwischen Kunst und Landschaft, Feldflur genannt. Im Lauf der Zeit allerdings schien doch Kulisse Nummer vier, der Park im Bornstedter Feld, Mittelpunkt eines ganzen neuen Stadtteils, immer wichtiger zu werden ...