UWE NIXDORF: Glaziologie leitet sich von lateinisch glazies ab, was übersetzt Eis bedeutet. Es ist die Lehre von der Entstehung, den Formen, der Verbreitung und der Wirkung des Eises auf die Erde. Zurzeit gibt es drei Schwerpunkte in der Glaziologie. Erstens die Erforschung der Klimageschichte aus polaren Eisschilden. Dafür werden Eisbohrkerne untersucht, die in ihren winzigen, eingeschlossenen Gasblasen die Gaszusammensetzung in früheren Zeiten der Erde wiedergeben. Zweitens werden die Spureneinschlüsse in Schnee und Eis untersucht. Ein drittes Forschungsfeld sind der Massenhaushalt und die Bewegungsfelder polarer Eismassen - das hat mit der Variation des Meeresspiegels zu tun.

ZEIT: Welchen Forschungsschwerpunkt haben Sie?

NIXDORF: Früher habe ich mich vor allem mit Eisbeben in der Antarktis befasst, war unter anderem 16 Monate auf der deutschen Überwinterungsstation Neumeier und habe auch darüber promoviert. Mein heutiger Schwerpunkt sind geophysikalische Methoden, also zum Beispiel Radarverfahren, um Struktur und Untergrund des Eises zu erkennen.

ZEIT: Wie wird man Glaziologe?

NIXDORF: Es gibt in Deutschland dafür keinen Studiengang. Glaziologen sind von Haus aus meist Geophysiker, Meteorologen, Geografen, Chemiker oder Bauingenieure. Besondere Voraussetzung ist vor allem die Freude, sich mit dem Eis zu beschäftigen. Zur Glaziologie kommen die meisten Interessierten über ein Praktikum, das man im Institut für Geophysik in Münster, bei der Kommission für Glaziologie der Bayerischen Akademie für Wissenschaften in München oder bei uns in Bremerhaven machen kann.

ZEIT: Wie stehen denn die Berufsaussichten für Glaziologen?

NIXDORF: Sehr gut. Es gibt in Deutschland zurzeit etwa 40 Glaziologen, und ihre Arbeit findet große Unterstützung wegen ihrer Bedeutung für die Klimaforschung. Da man sich viel selbst erarbeiten muss, ist die Freiheit in Lehre und Forschung groß, und man kann seine Karriere sehr eigenständig planen.