Alles schien perfekt geplant: Straßensperren, mannshohe Zäune und ein riesiges Aufgebot von Polizisten sorgten für die Sicherheit der Konferenzbesucher. Nur an eines hatte man nicht gedacht: an einen elektronischen Angriff. Prompt brachen Hacker in den zentralen Rechner des diesjährigen Weltwirtschaftsforums in Davos ein - und spionierten persönliche Daten der angereisten Prominenz aus samt deren Kreditkartennummern.

Solche und andere spektakuläre Fälle geben einem Thema Auftrieb, das längst für tot erklärt wurde: Datenschutz. Ausgerechnet in der Informationsgesellschaft schien das Bürgerrecht nicht mehr gefragt. Jetzt aber droht die Angst vor dem Missbrauch persönlicher Daten die Zukunftsmärkte rund ums Internet zu blockieren. Die Wirtschaft ist alarmiert. Datenschützer basteln an neuen Konzepten.

Das Problem: Wer persönliche Daten ins Netz gibt, per Mausklick einkauft oder sich im World Wide Web informiert, hinterlässt jede Menge Spuren. Die neuen Informationstechnologien ließen den Menschen "gläserner, berechenbarer und manipulierbarer werden", warnt der Bundesdatenschutzbeauftragte Joachim Jacob in seinem gerade präsentierten Bericht. Lawrence Lessig, der in den USA als einer der besten Experten für Rechtsprobleme in der High-Tech-Industrie gilt, entwarf jüngst ein noch düstereres Bild: "Wirtschaft und Staat arbeiten zusammen, um unsere Wege durch das Netz besser aufspüren und nachzeichnen zu können. Potenziell ist das eine Gefahr für Demokratie und Freiheit."

Was das für den oft ahnungslosen Netznutzer bedeuten kann, beschreibt das amerikanische Wirtschaftsmagazin BusinessWeek eindringlich so: "Zunächst werden Sie sich nur über eine Kleinigkeit ärgern: eine Flut von überflüssiger Werbung. Dann aber folgt das eigentliche Problem: Unternehmen, die ihre Kunden genau kennen, können sie auch gezielt diskriminieren. Wenn man beispielsweise herausfindet, dass Sie nicht zu den Kaufkräftigsten gehören, lassen sie Sie einfach in der Hotline hängen, selbst wenn Sie ein berechtigtes Anliegen haben. Oder Sie werden als Kunde irgendwann gar nicht mehr akzeptiert. Noch schlimmer: Möglicherweise basiert die Diskriminierung auf falschen Angaben, die von Ihnen gespeichert sind."

Außerdem muss jeder damit rechnen, ins Visier von Datenjägern zu geraten. Sie haben sich darauf spezialisiert, das Internet zu durchforsten, um persönliche Profile zu erstellen - im Auftrag und gegen gutes Geld, versteht sich. Wie einfach das ist, beschreibt Gerald Reischl in seinem gerade erschienenen Buch Gefährliche Netze.

Zwar seien die materiellen Schäden oft nicht messbar, aber es würden Chancen genommen, so Thilo Weichert vom Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein. "Dass die Nichteinstellung eines Bewerbers, die Nichtgewährung eines Kredites oder der Ausschluss von einer Ausschreibung auf falschen Leumund zurückzuführen ist, mag oft offensichtlich, selten aber beweisbar sein." Gravierende Schäden seien oft aber auch soziale Diskriminierung, Manipulation, Angst oder Einschüchterung.

Offensichtlich ist das mehr Menschen klar, als die Sorglosigkeit einiger Surfer vermuten lässt. Doch statt lauthals gegen dreiste Datensammler zu protestieren wie noch in den achtziger Jahren, als das Bundesverfassungsgericht schließlich das berühmte Volkszählungsurteil sprach, halten sie sich heutzutage einfach zurück, wenn es um die Nutzung von Internet-Diensten geht. Genau das aber ist das Problem all jener, die mit dem elektronischen Handel im Netz Geld verdienen wollen. Sie wissen inzwischen, dass viele Einkäufe und Bankgeschäfte im Netz meiden, weil sie um ihre persönlichen Daten fürchten. Gleich eine ganze Reihe von Umfragen zeigt nämlich inzwischen, wie sensibel die potenziellen Nutzer des Internet beim Thema Sicherheit reagieren.