Einige der koreanischen Entwicklungsingenieure von Lucky Gold Star reagierten verschnupft: Kamen da doch vor vier Jahren Wissenschaftler aus Braunschweig zu dem Elektronikgiganten und nahmen Waschmaschinen, Kühlschränke und Handys unter die Lupe. Sie wollten wissen, ob man die Geräte leicht zerlegen kann. Gelegentlich meckerten sie an der Position einer Kreuzschlitzschraube herum oder hinterfragten eine Klebeverbindung.

Die Besucher aus Braunschweig waren Recyclingspezialisten. Sie betrachteten all die tollen Geräte nicht als preiswerte Synthese von Form und Funktion. Sondern als künftigen Elektroschrott. Hersteller von Elektro- und Elektronikgeräten werden sich diese Perspektive aneignen müssen: Weltweit sind Regierungen dabei, die Elektroschrottmengen mit neuen Gesetzen einzudämmen.

Es kommt einiges auf die Umwelt zu. Noch liegen die Handys der ersten und zweiten Generation ("Briketts") in der Schublade oder werden aufgrund ihrer Notruffunktion an Altersheime verschenkt. Auch stehen veraltete Computer und Drucker, für die man vor wenigen Jahren ein Vermögen hingelegt hat, noch eine kleine Schamfrist lang im Kellerregal.

Doch dem Boom der Elektronikbranche wird bald eine Elektroschrottlawine folgen. In dieser Lawine werden unangenehme Stoffe mitgeführt: das in Flammschutzmitteln enthaltene Brom zum Beispiel, Kadmium oder das unter anderem zum Löten gebrauchte Blei. 1998 gab es EU-weit sechs Millionen Tonnen E-Schrott; die Menge wird sich in den kommenden zwölf Jahren voraussichtlich verdoppeln.

Um den Abfall möglichst gering und ungefährlich zu halten, wird die EU voraussichtlich im nächsten Frühjahr eine neue Elektroschrott-Richtlinie erlassen. Ähnlich wie in Japan, das ein Gesetz Ende der neunziger Jahre beschloss, wird es im Prinzip so laufen: Wer ein Produkt in die Welt setzt, muss es am Ende auch wieder aus der Welt schaffen. Ähnlich wie Autohersteller werden auch Elektrofirmen verpflichtet sein, ihre Produkte wieder einzusammeln. Offen ist, ob die Verbraucher die ausrangierten Teile bei öffentlichen Recyclingstellen oder direkt beim Händler abgeben können.

Fest steht jedoch, die Rechnung muss der Produzent begleichen - beziehungsweise am Ende wie immer der Kunde. Um die künftigen Entsorgungskosten gering zu halten, tun die Elektrohersteller deshalb gut daran, schon bei der Entwicklung eines Produktes dessen Ende mit zubedenken.

Nun sind in Korea oder anderswo auf der Welt Entwickler darauf trainiert, Neues zu erproben, und nicht, Altes zu entsorgen. Helfen können ihnen Computerprogramme, die die Ingenieure bereits in einem frühen Entwicklungsstadium auf Ökoschwachstellen ihres Produktes hinweisen und ihnen Tipps geben für ein so genanntes lifecycle engineering. So hat das Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration in Berlin ein Verfahren entwickelt, das Elektrogeräte auf Schadstoffe und Recyclebarkeit untersucht.