Von Burkhard Strassmann

Wie betäubt taumele ich durch die Rabatten. Das süße Gift hat sich in meinem Gehirn verteilt. Mir ist übel. Die Knie zittern. Die Nasenschleimhäute sind wie verätzt. Undeutlich erreichen mich Dieselgerüche, die vom Parkplatz herüberwehen - eine neue Busreisegruppe ist eingetroffen. Süßliches Kerosin liegt in der Luft: ein Gruß vom Flughafen Schiphol. Irgendein Wurz müffelt im Unterholz. Nur sehr langsam weicht die Benommenheit. Erst nach einer Stunde kann ich wieder frischen Grasschnitt unterscheiden.

Gewarnt war ich schon am Eingang. Das Blumenparadies Keukenhof begrüßt seine Besucher mit einem Gestank, welcher am ehesten an jene "Duftsteine" erinnert, die man im Urinal einsetzt. Hyazinthen! Ausgerechnet! Kübel voll mit diesen Stinkeblumen erwarten den olfaktorisch Empfindsamen gleich hinter dem Kassenhäuschen - ein Schock! Und ein Menetekel.

Dann waren die Eindrücke eher sanft gewesen. Die Düfte subtil. Die soeben erblühten Tulpen und Narzissen hatten noch genug mit ihrem Äußeren zu tun, als dass sie ans Parfümieren hätten denken können. Ich war immer der Nase nach gegangen. Die Kurzvisite im kleinen Königin-Juliana-Pavillon, der der Anthurienzucht gewidmet ist, war reine Zeitverschwendung gewesen - die vielfarbigen und in ihrer wächsernen Kälte sehr edel wirkenden Blüten haben keinerlei Eigengeruch. Entsprechendes ist auch über die Orchideen zu sagen. Im Orchideenpavillon der Königin Beatrix riecht man Zigaretten und ungewaschene Unterarme und sogar Kaffee. Keine Blumen. Anders als bei den Menschen gilt bei Blumen: Je besser sie aussehen, desto weniger riechen sie.

Dann hatte ich den Prinz-Willem-Alexander-Pavillon entdeckt. Von einem gütigen Schicksal gelenkt, hatte ich das Gebäude durch einen der Seiteneingänge betreten. Am Haupteingang lauern nämlich wieder China Pink, Delft Blu und White Pearl - und damit die nächste Hyazinth-Attacke. Von einer zweiten Verstopfung hätte sich meine Nase kaum mehr erholt. Für die subtilen Düfte der Rhododendronblüten (leichter Himbeergeruch) oder des Krokus (fauliger Honig) bedarf es aber unverbrauchter Rezeptoren.

Ein Duft wie - Reifenabrieb, ganz deutlich!