Natürlich nicht, ebenso wenig wie Tabak gut für die Lunge und Schnaps gut für die Leber ist. Und trotzdem rauchen und saufen die Menschen, derweil Staaten und Regionen gern an der Droge der Konkurrenzabwehr saugen.

Die EU hat's vorgemacht, jetzt wollen es die Amerikaner mit der Free Trade Area of the Americas (FTAA) nachmachen. Den Trugschluss, der sich in der Abschottung verbirgt, hat der britische Ökonom David Ricardo (1772-1823) am Gesetz des komparativen Vorteils herausgearbeitet. Dem Staat/Block als Ganzem geht es nicht besser, wenn er daheim (teurer) herstellt, was er draußen (billiger) einkaufen könnte. Besser, die heimische Wirtschaft produziert, was sie am besten kann, und holt sich auf dem Weltmarkt, was die anderen am besten können. Dazu aber muss Freihandel regieren.

Den gibt's aber nur im Lehrbuch (wenn man von den Briten absieht, die bis 1914 keinerlei Zölle auf Industrie- und Agrargüter erhoben). Staaten oder Blöcke wie die EU denken nicht zuvörderst an das Gesamtwohl ihrer Bürger, sondern an die Partikularinteressen mächtiger Gruppen. Merke: Handelswälle widerspiegeln nicht das nationale Interesse, sondern die Machtverhältnisse im Inneren. So ist es in der EU, die vorweg den Agrarsektor protegiert, so ist es in den USA, die zudem Stahl und Textilien schützen.

Einwand: In der EU setzen sich 15 Länder dem vorteilsfördernden Wettbewerb aus; warum also nörgeln? Antwort: Sie ziehen Mauern zwischen sich und dem Rest der Welt hoch, schotten so Konkurrenz ab und bürden dem Konsumenten höhere Preise auf. Das Gleiche versuchen nun mit neuem Gusto die USA mit der FTAA von Alaska bis Feuerland - die Region zählt 800 Millionen Menschen und elf Billionen Dollar Gesamtprodukt. Was in der Freihandelszone Nafta (Kanada, Mexiko, USA) schon passiert ist, hätte Ricardo voraussagen können. 1993 nahm Nafta 28 Prozent des US-Handels auf, nun sind es knapp 33. Das heißt: In der Tendenz lenken Blöcke Handel in den geschützten Binnenmarkt ab. Das dient nicht der weltweiten Arbeitsteilung, mithin dem vielfältigeren Angebot zu niedrigeren Preisen.

Absurdes Beispiel: Indem die EU-"Bananenordnung" bislang die ineffizienten Kanaren begünstigt, zwingt sie hiesigen Verbrauchern überhöhte Preise auf. Zerfällt jetzt der Weltmarkt in Blöcke? Nicht in dieser Generation. Die EU hat 40 Jahre bis zum "Binnenmarkt" gebraucht, bei der FTAA mit 34 Ländern, die 2005 eröffnet werden soll, wird es kaum schneller gehen.

Denn die Lateinamerikaner handeln eher mit ihren ehemaligen Kolonialherren als untereinander. Ihre Wirtschaften sind so dicht wie die der exportgierigen asiatischen Tiger. Schließlich: Die größte, die brasilianische Wirtschaft hat sich unter dem etatistischen Präsidenten Cardoso den höchsten Schutz unter den Großen genehmigt. Selbst in der Nafta ist der Widerstand gegen Freihandel noch stark: US-Holzproduzenten klagen gerade gegen staatlich subventionierte Exporte aus Kanada (das Marktvolumen beträgt immerhin zehn Milliarden Dollar).

Trotzdem: Handelsblöcke sind immer noch besser als blockierter Handel zwischen Einzelstaaten. Im südamerikanischen Vierer-Bund Mercosur steigt der Austausch um jährlich neun Prozent, in der Welt nur um knapp sieben. So wachsen wenigstens im Regionalen Wettbewerb und Effizienz.