Jeder Urlauber kennt dieses Gefühl von Wut und Hilflosigkeit. Ganz kurz kommt es hoch, auf fast jeder Reise in ferne Länder - immer dann, wenn in der Wechselstube der Blick auf die Tafel mit den Umtauschkursen fällt. "Wir kaufen für weniger und verkaufen für mehr", sagt die Tafel. "Die Differenz behalten wir als Gewinn." Und der Urlauber ärgert sich.

Auch beim Handel mit Wertpapieren arbeiten Händler mit An- und Verkaufskursen. Anleger, die das nicht bedenken, können beim Aktienkauf böse Überraschungen erleben. Börsenmakler kaufen Aktien zum Geldkurs und verkaufen sie zum höheren Briefkurs. Die Differenz zwischen Geld- und Briefkurs, der so genannte Spread, ist neben der Handelsprovision der Gewinn der Makler.

Grundsätzlich gilt für den Spread: Je größer die gehandelte Stückzahl der Aktie an einem Markt, je liquider das Papier also ist, desto kleiner ist der Spread. Denn wenn viele Papiere gehandelt werden, weiß der Makler, dass er große Mengen eines gekauften Papiers schnell und problemlos wieder verkaufen kann. Für ein exotisches Papier jedoch, von dem er nicht weiß, wie bald er es wieder verkaufen kann und von dem er vielleicht nur wenige Titel handeln kann, wird er den Spread entsprechend höher ansetzen.

Der Anleger trifft an der Börse deshalb auf diese Geld- und Briefkurse. Bei viel gehandelten Standardtiteln aus dem Deutschen Aktienindex Dax liegen beide Kurse nahe beieinander - die Aktien werden in entsprechend großen Stückzahlen gehandelt, und es treffen sich für einen Titel relativ viele Käufer und Verkäufer, sodass sich die Preise relativ schnell auf einem ähnlichen Niveau einpendeln.

Bei wenig gehandelten Werten kann der Spread innerhalb des Marktes hingegen sehr hoch sein. Das gilt vor allem für den Handel auf der Computerplattform Xetra. Auf Xetra agieren keine Makler, die für den Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage sorgen. Die Händler der Banken stellen lediglich die Aufträge der Privatanleger und institutionellen Kundschaft in das System ein. Stimmen Angebot und Nachfrage überein, kommt der Abschluss auf Xetra zustande.

Private zahlen Preise, die Profis nie akzeptieren würden

Für viele weniger liquide Titel gibt es auf Xetra zeitweise nur zwei Angebote - eines zum Ankauf und ein sehr viel höheres zum Verkauf. Ein Beispiel dafür ist das der Porsche-Vorzugsaktien vom 22. März. Das Papier ist ein Wert aus dem Index MDax und gehört damit zu den 100 gängigsten deutschen Aktien. Trotzdem haben an diesem Tag bis zum Mittag im Computerhandelssystem Xetra nur 800 Papiere den Besitzer gewechselt. Zu dieser Zeit gab es lediglich ein Kaufangebot zu 3100 Euro und ein Verkaufangebot zu 3190 Euro. Diese beiden Aufträge werden nicht gegeneinander ausgeführt, die Preisvorstellungen der Auftraggeber liegen zu weit auseinander.