Die Strecke ist 7200 Meter lang und hat 30 berüchtigt gemeine Hindernisse. Nur die wenigsten Pferde erreichen gewöhnlich das Ziel. Zu unterscheiden sind sie für den weniger Erfahrenen durch ihr so genanntes number cloth, eine unter dem Sattel getragene Decke, die die Startnummer des Pferdes und den Schriftzug des jeweiligen Sponsors trägt. Für das Grand National ist es seit 1992 die Cognacfirma Martell. Die vom Veranstalter gestellten Decken sind etwa 60 mal 70 Zentimeter groß, werden aus einem Baumwoll-Polyester-Gemisch hergestellt und bei jedem Rennen gemäß der Startaufstellung neu vergeben. Oft ist das nummerierte Renndeckchen die letzte Sattelunterlage, die die Pferde tragen.

Tierschützer haben ermittelt, dass 247 Pferde in der letzten britischen Rennsaison 1999/2000 während oder kurz nach den Rennen ums Leben kamen. "Die Tiere laufen buchstäblich um ihr Leben", sagt Yvonne Tyler von Animal Aid in Kent, "und wenn sie nicht stürzen, Genick oder Knochen brechen, sterben sie nicht selten durch Herzinfarkte oder Lungenblutungen." Seit 1997 kamen beim Grand National 22 Rennpferde ums Leben. Im letzten Jahr allein 4 an einem Tag.

Trotzdem läuft das Geschäft - zur Hauptsache für Veranstalter und Buchmacher. "Eine Sensibilisierung für das Leid der Tiere hat erst in den letzten Jahren durch eine breitere Berichterstattung vor allem im Fernsehen eingesetzt", berichtet Frau Tyler. "Früher haben die Zuschauer an der Strecke bei besonders brutalen Stürzen gelacht. Mittlerweile ist jedermann klar, wie sehr die Tiere leiden."

Dem Verbot des brutalen Hindernisrennens, das sich die Tierschützer gemäß einer 1911 dafür geschaffenen Gesetzesgrundlage wünschen, steht die Massenpopularität der Veranstaltung entgegen. Das dreitägige Grand National hat jährlich etwa 100 000 Besucher, mehr als 500 Millionen Zuschauer weltweit sehen es im Fernsehen. Allein der Wettumsatz wird auf etwa 180 Millionen Mark geschätzt. "Viele Briten bilden sich ein, in einem tierlieben Land zu leben. Tatsache ist, dass gerade Aintree keine Rennstrecke, sondern ein Bestrafungsparcours ist, eine Folterkammer mit 30 Stationen."