Jedes Schiff hat Ratten an Bord, denkbar, dass es in einem Raumschiff Mäuse sind. Wenn die elektronische Musik in ihren Anfangstagen einmal auszog, um ferne Welten zu kolonisieren, und versuchte, durch die Verbindung von Mensch und Technik neues Leben zu konstruieren - der jüngst erschienene Metropolis-Soundtrack des Techno-Pioniers Jeff Mills kündet noch davon -, dann sind Mouse On Mars die kleinen Tiere, die sich nach der Bruchlandung in den Trümmern vergnügen - irgendwo zwischen Sampler, Waldhorn, einem philosophischen Traktat, Effektgerät, Synthe sizer, Schlagzeug und einem Klavier.

Mouse On Mars spielen auf Idiology (Sonig/Our Choice/Zomba RTD 195.3765) mit dem Material, als wollten sie das Versprechen der elektronischen Musik einlösen, alles ließe sich in Sound verwandeln und jeder Klang sich benutzen - als probierten sie auf der Suche nach einem Bauplan aus, was aus der Vergangenheit an Instrumenten zur Klangerzeugung übrig geblieben ist. Bisher funktionierte jedes Album des Köln-Düsseldorfer Duos so. Wollte man die Stelle markieren, wo Mouse On Mars ihr Unwesen treiben, man wäre etwa gleich nah an Drum 'n' Bass, Neuer Musik und Easy Listening. Die zehn Sekunden Stille zu Beginn der Platte etwa könnten genauso ein Pressfehler sein, ein John-Cage-Zitat oder schlicht ein Scherz. Die Stücke sind weder Songs noch Tracks, eher irgendetwas auf halbem Weg dazwischen, sie haben eine offene Struktur.

Trotzdem kann man manchmal mitsummen. Krautdub nennen das die Engländer und sind begeistert, was sich die crazy Germans da schon wieder ausgedacht haben.

Electronica nennen das die Deutschen und wundern sich, wie universell diese Musik verwendbar ist. Jedes Break ist eine Schnittstelle zu einem neuen Genre. Man kann Mouse On Mars zu Hause hören (Schallplatte), man kann sie live anschauen (Konzert), man kann sie zu bewegten Bildern laufen lassen (Soundtrack), und man kann sie als akademisches Anschauungsmaterial nutzen (die Mouse-On-Mars-Macher Jan Werner und Andi Thoma sind Dozenten für experimentelle Musik an der Design-Fachhochschule Aachen). Während die großen futuristischen Entwürfe der elektronischen Musik sich entweder in Wohlgefallen aufgelöst oder der Vergangenheit zugewendet haben, nutzen Mouse On Mars den entstandenen Spielraum. Die Kolonisierung auf dem fernen Planeten mag gescheitert sein, aber die Experimente gehen weiter. Putzig, anschlussfähig und leicht mutiert.