Es kann nur begrüßt werden, dass die PDS-Bundesvorsitzende Gabriele Zimmer und die Berliner Landeschefin Petra Pau zum 55. Jahrestag der Zwangsvereinigung von KPD und SPD in der sowjetischen Besatzungszone erstmals deutlich von den schwarzen Seiten dieses Vorgangs und von seinen Opfern gesprochen haben. Sie brauchen nicht zu bestreiten, dass sie damit politische Ziele verbinden - was ist schlimm daran? Es geht ja nicht um ein Bekenntnis persönlicher Schuld, dafür sind beide zu jung. Sie sprechen für ihre Partei, die sie ganz richtig in rechtlicher und also auch sachlicher Kontinuität zur SED begreifen, und möchten mit dieser Erklärung die Position der PDS verbessern, namentlich in Berlin. Ein Ziel haben sie bereits erreicht: Man spricht wieder über die PDS.

Dass sie aber ihrem Bedauern Beschuldigungen gegen die SPD vorausschicken, um dann großmütig auf eine Entschuldigung der SPD zu verzichten, das verwundert.

Denn das weiß nun jeder: Eine mit Beschuldigungen gespickte Entschuldigung verstimmt. Der Grund: Die Erklärung hat zwei Adressaten. Die SPD hat die Anerkennung von Tatsachen im Zusammenhang mit der Vereinigung von KPD und SPD gefordert. Das ist aber für viele in der PDS eine allzu bittere Pille. Also versuchen die beiden Frauen, ihnen diese bittere Pille mit Vorwürfen gegen die SPD zu versüßen. Das aber muss der SPD sauer aufstoßen.

Denn die Vorwürfe sind haltlos. Sie behaupten "die Verantwortung von Gustav Noske für die Ermordung der KPD-Gründer Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht".

Hätten sie von einer Mitverantwortung Noskes gesprochen - in dem Sinne: "Die ich rief, die Geister", nämlich die Reichswehr, hielt ich nicht im Zaum -, wäre ihnen nicht zu widersprechen. Aber Noske ist 1920 von seinen eigenen Genossen gestürzt worden. Sie muss sich also nicht erst noch von ihm distanzieren. Neuerdings, nämlich seit 1995, wird im Umkreis der PDS aus windigen Quellen die Behauptung lanciert, Noske persönlich habe den unstrittigen Auftraggeber des Mords, den Major Pabst, zur Tat ermuntert.

Dieses heutige Interesse an einer Konkretisierung ihrer Märtyrergeschichte ist für den Seelenzustand vieler PDS-Mitglieder so aufschlussreich wie fatal.

Und dann reden die beiden PDS-Frauen von "Tausenden Kommunistinnen und Kommunisten, die in der Weimarer Republik unter sozialdemokratischen Regierungen als politische Gefangene in Haft geworfen wurden". Von Gewaltenteilung noch nie etwas gehört? Über die Justiz in der Weimarer Zeit ist einiges Kritisches zu sagen, aber doch nicht, dass sie von der SPD dominiert war. Sie verstehen die Weimarer Republik wie die DDR, als Diktatur, aber der SPD. Da kommen erschreckende Begriffsverwirrungen zum Vorschein. Es war die KPD, die 1919 die Diktatur des Proletariats angestrebt, gegen die SPD eine verfassungsgebende Versammlung zu verhindern gesucht und damit ihre Verachtung für die parlamentarische Demokratie dokumentiert hat, Karl Liebknecht eingeschlossen. Aber können wir die alten Sachen nicht ruhen lassen? In meinem Wohnort kämpft die örtliche PDS heftig dafür, dass die Grundschule den Namen Karl Liebknecht bekommt. Sie betreibt Politik als Geschichtsdeutung - und als Streit um den Wortsinn von Demokratie.