Jetzt geht sie wieder los, die Suche nach dem Schuldigen. Wie bei jeder Benzinpreisrunde der vergangenen Monate das gleiche Spiel: Die Politik, diesmal der Kanzler höchstselbst, stellt die Ölmultis als Abzocker hin - die Konzerne schlagen zurück und entlarven die Politik als größten Preistreiber.

Dabei wissen es beide Seiten besser. Die rotgrüne Bundesregierung hat mit der Ökosteuer bewusst die Preise an den Tankstellen hochgetrieben. Sie will, dass endliche Ressourcen - und Erdöl wächst bekanntlich nicht nach - möglichst sparsam verbraucht werden. Und sie will die Umwelt entlasten, indem sie für verringerten Energieverbrauch sorgt. Diese Ziele sind nach wie vor vernünftig - weshalb sich die parlamentarische Opposition getrost ihr Mitleid mit den Autofahrern sparen kann. Schließlich wurden die in der Ära Kohl nicht weniger gemolken. Nur fehlte den Steuererhöhungen damals noch das Label Öko.

Heuchlerisch sind auch die Ölkonzerne. Richtig ist zwar, dass die Preiserhöhungen der vergangenen Jahre überwiegend der Politik zu verdanken sind

es stimmt auch, dass mit dem reinen Spritverkauf gerade in Deutschland wenig verdient wird. Aber die Ölmultis sind eben wahrhaft globale Unternehmen. Sie verkaufen nicht nur Benzin, sondern fördern und verarbeiten auch Rohöl. Aus diesen Geschäften stammen primär die Rekordgewinne der jüngsten Zeit. Sie lassen das Konzernergebnis in London oder New York glänzen, nicht das der deutschen Tochter.

Eines geht in allem Geschrei unter: Dank hoher Spritpreise in Europa sind die hiesigen Autohersteller wettbewerbsfähiger geworden. Sie entwickelten sparsame Motoren und windschnittige Karosserien - die US-Konkurrenz mit ihren Spritschluckern hat das Nachsehen. Und derzeit sind es ausgerechnet die Amerikaner, die den Benzinpreis treiben. Sie kaufen sich Qualitätskraftstoffe in Europa, die ihnen zu Hause fehlen. Dieser Sog geht vorüber, doch der nächste Preisschub kommt bestimmt.

Schon deshalb müssen die Kartellwächter wach bleiben. In der Mineralölbranche wird weiter fusioniert. Und je weniger Anbieter antreten, desto weniger Wettbewerb ist zu erwarten. Doch wie gut die Kontrolle auch ist: Auf Dauer wird Benzin nicht mehr billiger. Und das ist gut so.