Seinen ersten Arbeitstag wird Michael Rinkenburger nicht so schnell vergessen: Der Recruiter bei Siemens Business Service (SBS) in München wurde mit Blumen begrüßt, dazu gab's eine Karte, unterschrieben von allen Kollegen.

"Das war schön, ich habe mich gleich aufgehoben gefühlt", erinnert sich der 31-Jährige. Dann unterhielt sich der Wirtschaftspädagoge gleich zwei Stunden mit dem neuen Chef über seine Aufgaben und wurde seinem "Paten" vorgestellt, einem Kollegen, der ihn künftig bei allen Fragen zum Arbeitsbereich unterstützt.

Zwei Wochen später fuhr er für fünf Tage zu den New Intake Days im oberbayerischen Schloss Elmau. Hier trafen sich alle Mitarbeiter, die in den letzten zwei Monaten bei SBS angefangen hatten. Neben einem Unternehmensplanspiel gab es auch einen Kaminabend, bei dem ein Mitglied der Geschäftsleitung den Neuen bis spät in die Nacht Rede und Antwort stand. "Die Intake Days haben mir sehr geholfen, mich in einem so großen Unternehmen besser zurechtzufinden", sagt Rinkenburger. Zudem sei daraus ein funktionierendes Netzwerk entstanden, das inzwischen auch Veranstaltungen und Kneipenbesuche organisiert.

Michael Rinkenburger hat Glück gehabt. Denn nicht jedes Unternehmen kümmert sich so aufmerksam um seine neuen Mitarbeiter. Nicht selten muss so mancher Neuling daher enttäuscht feststellen, dass für ihn weder Schreibtisch noch Computer vorhanden ist, die Kollegen keine Zeit haben und der Chef nicht da ist. "Rund 30 Prozent der Neuen verlassen ihren Job bereits innerhalb der Probezeit oder kurz danach, und die meisten davon haben ihren Entschluss in den ersten Arbeitstagen gefasst", sagt Petra Bernatzeder vom Münchner Beratungsunternehmen Tetralog. Die Psychologin hat für Unternehmen ein Programm für den systematisch organisierten Einstieg entwickelt.

"Die Integration wird oft sträflich vernachlässigt", bestätigt auch Oliver Maassen, Leiter des Konzern-Personalmarketings bei der HypoVereinsbank in München. Mit einer Einführungsveranstaltung sei es dabei nicht getan, man müsse dem Mitarbeiter möglichst schnell Netzwerke bieten. Deshalb gebe es bei der Bank auch seit Mitte 2000 eine Intranet-Plattform von und für die Trainees. "Das ist ein Forum für den Austausch", sagt Verena Laschinger, die in der Redaktion mitarbeitet. Da werden Werdegänge ebenso eingestellt wie Diplomarbeiten oder Interviews mit Managern. Die neuen Trainees bekommen eine Begrüßungsmail und werden aufgefordert, sich mit Beiträgen am Netzwerk zu beteiligen.

Vier Wochen Vorbereitung für den ersten Tag

Schon bevor Verena Laschinger ihren Job als Trainee bei der HypoVereinsbank in München antrat, bekam sie regelmäßig Anrufe aus der Personalabteilung.