Die Steaks liegen auf dem Grill, aus der Musicbox ertönt laute Country-Musik, und die Fans warten gespannt auf den Beginn der Party. Die Fans, das sind die Anhänger des amerikanischen Finanzgurus Warren Buffett.

Die Party, das ist die Hauptversammlung von Buffetts Investmentholding Berkshire Hathaway. Einmal im Jahr reisen mehr als 15 000 Kleinaktionäre der Gesellschaft in die amerikanische Provinz nach Omaha, um ein ganzes Wochenende lang ihr großes Vorbild Buffett zu feiern. "Woodstock des Kapitalismus" nennen die Fans die Veranstaltung. Ein wenig feiern sie auch sich selbst: Wer vor mehr als einem Jahr Aktien von Berkshire Hathaway kaufte - Einzelpreis: mehr als 150 000 Mark -, machte damit einen Gewinn von mehr als 70 Prozent.

An diesem Wochenende ist es wieder so weit. Borsheim's, der umsatzstärkste Juwelier weltweit neben Tiffany's in New York und ganz nebenbei auch im Besitz von Warren Buffett, wird alle Aktionäre zum Begrüßungscocktail laden.

Bei Dairy Queen - einer Speiseeiskette - signieren Autoren die Bücher, die sie über Buffett geschrieben haben. Mitten unter den Fans ist dann auch Hendrik Leber. Der Finanzprofi aus Frankfurt leitet mit seinem Acatis-Aktien-Global-Fonds eine Art Warren-Buffett-Gedenk-Fonds. Nach ähnlichen Prinzipien wie sein Vorbild will er das Geld der Anleger vermehren.

"Unspektakulär, aber erfolgreich" sei das Rezept, dem er nacheifere, sagt Leber. Klar, dass der 44-Jährige Berkshire Hathaway hält - mit zehn Prozent die größte Position in seinem Fonds. Bereits zum dritten Mal reist Leber zu seinem Idol. "Für zwei Tage", sagt er, "ist die Stadt ganz interessant."

Omaha liegt in Nebraska und damit mitten im Herzen Amerikas. An normalen Tagen herrscht hier beschauliche Ruhe. Entstanden als ein Winterquartier der Siedler auf ihrem Weg in den Westen, ist Omaha die Heimat der Eisenbahngesellschaft Union Pacific, die die Eroberung des Westens vorantrieb. Nebraska gilt als die Kornkammer Amerikas. Das macht den eigenartigen Gegensatz zu den Geschäften von Warren Buffett aus, der aus einem unscheinbaren Hochhaus mit nur 13 Angestellten die erfolgreichste Investmentholding Amerikas führt.

"Orakel von Omaha" wird Buffett von seinen Fans auch genannt. Dieses Jahr werden sie ganz besonders aufmerksam zuhören, was er zu sagen hat.