Schließlich hatten Experten im vergangenen Jahr das "Orakel" schon abgeschrieben, weil Buffett konsequent den Kauf von Technologieaktien verweigerte. Jetzt liegt die New Economy in Scherben, die Old Economy feiert ihre Wiedergeburt. Und Warren Edward Buffett, der Mann mit der konservativen Anlagestrategie, gilt einmal mehr als Mann mit dem gewissen Näschen.

Am 30. August 1930 in Omaha geboren, begann Buffett schon als Jugendlicher, Geld zu machen - als Zeitungsjunge der Washington Post, die er Jahre später übernehmen sollte. Von den Einnahmen als Zeitungsjunge kaufte er alte Flipperautomaten, überholte sie und stellte sie bei Friseuren in der Gegend auf. So entstand seine erste Firma. Doch das war nur der Anfang. Zusammen mit einem Freund besorgte er sich einen Rolls-Royce aus dem Jahre 1934 und vermietete ihn für 35 Dollar am Tag. Als Buffett die Highschool verließ, belief sich sein Vermögen auf stattliche 6000 Dollar.

Den entscheidenden Einfluss aber übte Benjamin Graham aus, dessen Buch The Intelligent Investor der junge Buffett regelrecht verschlang. Er wechselte zur Columbia-Universität nach New York, um dort bei Graham zu studieren.

"Alles, was ich mache, habe ich von einem Menschen namens Benjamin Graham gelernt", gesteht der 70-Jährige heute.

Nach dem Studium der Betriebswirtschaft kehrte Buffett nach Omaha zurück und arbeitete zunächst in der Brokerfirma seines Vaters. Auf Einladung Grahams aber ging er nach New York zurück, um für sein Vorbild zu arbeiten. Nachdem Graham sich aus dem Geschäftsleben verabschiedete, zog es den damals 25-jährigen Buffett erneut in seine Heimatstadt - diesmal für immer. Er gründete seine erste Investmentfirma. Mit der Übernahme eines daniederliegenden Textilunternehmens namens Berkshire Hathaway begann 1965 der steile Aufstieg des Finanzgenies. Buffett formte aus dem maroden Stoffkonzern die erfolgreichste Investmentholding der Welt. Nettogewinn im Jahr 2000: rund 10 Milliarden Mark.

Diese stolze Bilanz wird Buffett am Samstag verkünden, dem großen Tag der Hauptversammlung. Er beginnt früh. Schon um 6 Uhr stehen die Fans am Civic Auditorium Schlange, um die besten Plätze zu ergattern. Um 7 Uhr heißt es: "Doors open", und die Aktionäre stürmen den Saal. Dort erwarten sie die Stände und Produkte der Firmen, an denen Buffett beteiligt ist - ein Who's Who der Old Economy: Softdrinks von Coca-Cola, Rasierklingen von Gillette, Schuhe von Dexter. Dazu Möbel, Haushaltsgeräte oder Versicherungen. Um 8.30 Uhr werden die Türen geschlossen. Dann spricht das "Orakel", beantwortet geduldig die Fragen der Aktionäre.

"Ich investiere nur in Branchen, die ich verstehe"