"Ich mag einfache Dinge", sagt Buffett, immer wenn er nach seinem Rezept gefragt wird. "Ich versuche in Geschäftsfelder zu investieren, die ich verstehe. Damit meine ich die Wettbewerbssituation und die langfristigen Aussichten. Ich kaufe die Beteiligungen gerne von Leuten, die ich mag und denen ich vertraue." Als Warren Buffett einst das Unternehmen von Richard Santulli kaufte, dauerte das nicht länger als fünf Minuten. "Wir überlegten länger, welchen Hamburger wir bestellen sollen", sagt Santulli heute.

Warrens Welt, das sind Zeitungen, Softdrinks und seit neuestem auch Ziegelsteine. Computer- oder Internet-Firmen meidet er. "Ich würde liebend gerne die drei oder vier Internet-Firmen kennen, die das Rennen unter den Hunderten machen werden", sagt Buffett. "Aber ich kenne sie nicht".

Das Glaubensbekenntnis des Mannes, der Gillette seit Jahren besitzt, hört sich so an: "Ich glaube an den Haarwuchs in den Gesichtern der Männer und an den Beinen der Frauen und denke, dass beide ihn loswerden sollen. Ich hoffe, dass sie dafür Gillette-Rasierer benutzen." Einfache, gut positionierte Produkte mit einer unangefochtenen Marktstellung, das mag der größte Coca-Cola-Aktionär so sehr wie sein Lieblingsgetränk Cherry Coke. Und Baseball.

So wartet am Abend des Berkshire-Wochenendes schon ein weiterer, uramerikanischer Höhepunkt: Im Rosenblatt-Stadion trifft das Baseball-Team der Omaha Spykes, an dem Buffett zu einem Viertel beteiligt ist, auf die New Orleans Zephyrs. Der 70-Jährige lässt es sich - wie jedes Jahr - nicht nehmen, den ersten Ball zu werfen. Danach findet er Zeit für die Fans im Stadion, die ein Erinnerungsfoto mit ihrem Idol schießen wollen. Zwei Blocks auf der Tribüne sind nur für Buffett-Aktionäre reserviert.

Am nächsten Tag heißt es "back to party". Und die sieht bei den Kapitalisten und Buffett-Jüngern so aus: Shopping zu Discountpreisen im Juwelierladen Borsheim's und dem größten Möbelmarkt der USA, Nebraska Furniture Mart. Den Abschluss des Wochenendes bildet das Dinner in Buffetts Lieblingsrestaurant "Gorat's", das einem Freund aus Highschool-Zeiten gehört. Beim traditionellen "Buffett-Course" - einem T-Bone-Steak und einer Cherry Coke - feiern die Aktionäre dann Abschied.

Und so wird Omaha nach diesem Wochenende ein weiteres Mal im Dornröschenschlaf versinken. Die große Finanzwelt schaut wieder nach New York, nach Tokyo oder nach London. Buffett aber wird aus der Provinz weiter seine Fäden ziehen, um im kommenden Jahr seinen Jüngern vielleicht erneut eine einzigartige Bilanz vorzulegen. Möglicherweise liegt genau darin das Erfolgsgeheimnis des "Orakels von Omaha". "Wenn man eine Weile in New York lebt, kann das nach einer gewissen Zeit zu verrücktem Verhalten führen", sagt Buffett. "Hier in Omaha ist es wesentlich einfacher nachzudenken."