Ludwig Wittgenstein war ein Revolutionär der Philosophie. Wer das Rätsel dieses Genies lösen wollte, hat es nur vergrößert. Seine Wirkung war ungeheuer, unübersehbar und auf großartige Weise spurenlos, nachdem es in allen Himmelsrichtungen seine Wirkung entfaltet hatte. Wittgenstein hat einen Kult ausgelöst, bis hin zu den demonstrierenden Studenten von Berkeley, die ihre Katzen Ludwig nannten und ihre T-Shirts mit seinem Namen bedruckten.

Wittgenstein hat eine philosophische Existenz verkörpert und sein Denken gelebt. Er, der einer der reichsten Familien des Habsburgerreiches entstammte, war zugleich bürgerlicher Radikaler und exzentrischer Aristokrat.

Sein Vermögen hat er weggeworfen, er wurde Dorfschullehrer, schrieb ein Wörterbuch für Kinder, wollte Mönch, Arzt und Psychiater werden, nachdem er sich als Ingenieur, Gärtner, Laborant, Fabrikarbeiter, Bildhauer und Architekt versucht hatte. Wittgenstein war ein Rigorist ohnegleichen, einschüchternd, gebieterisch und unduldsam, kein Freund der Freundschaft, von sanfter Gewalt gegen sich und die Welt. Beständig plagte ihn die Furcht, nur für die Eingeweihten zu schreiben, um doch im Wesentlichen nicht verstanden zu werden. Das Wesentliche war: dass das "Gesagte" seiner Sätze nur vor dem Hintergrund des von ihnen Ungesagten verstanden werden konnte. "Ich schreibe also eigentlich für Freunde, welche in allen Winkeln der Welt verstreut sind."

In vollkommener Prosa lehrte Wittgenstein diesen Freunden, dass der Gebrauch der Sprache eine Form des Lebens und Philosophie keine Lehre, sondern tätige Sprachkritik ist. Sie besteht in der Klärung vorgefundener Gedanken. Viele Probleme, davon war Wittgenstein überzeugt, seien Probleme, die aus der "Verhexung unseres Verstandes durch die Mittel unserer Sprache" entstehen.

Besonders Philosophen waren für ihn Meister in der Erzeugung sprachlicher Konfusion

sie starren die Wörter an, bis die Sprache anfängt zu "feiern", und dann glauben sie, "das Benennen sei quasi eine Taufe eines Gegenstandes".

Diese Verwirrung könne man nur durch sprachanalytische Durchdringung beseitigen. Man müsse einfach "die Wörter von ihrer metaphysischen wieder auf ihre alltägliche Verwendung" zurückführen. Für den logischen Empirismus war Wittgenstein der Mann der Stunde. Der Wiener Kreis begrüßte ihn als jemanden, der endlich die lästigen Fragen der Philosophie so weit in Logik auflöst, dass sich alte Sinnfragen als Scheinprobleme entpuppen. Sie feierten Wittgenstein als einen Philosophen, der sich aller Metaphysik entledigt, um die strenge Wissenschaft zum Einheitswerkzeug des Denkens zu vergolden.