Die Fotografie als Kunst auf dem Markt durchzusetzen war äußerst mühsam.

Aber inzwischen klagen selbst die Experten darüber, dass die von ihnen ins Rollen gebrachte Welle überzuschwappen droht. "Eine kaum erträgliche Materialschlacht", konstatierte jüngst Luminita Sabau, die für die DG Bank eine beachtliche Fotosammlung aufgebaut hat. Sie empfiehlt "dringend Balast abzuwerfen, weil sich nur die Masse, aber nicht die Klasse vermehrt hat".

Erste Ermüdungserscheinungen auf dem Fotografiemarkt zeigten sich bei der ersten Fotoauktion dieses Jahres im April bei Christies's in New York. Ob das bereits als Signal zu werten ist oder aber am teils sehr hoch taxierten, an Spitzenstücken nicht gerade reichen Angebot gelegen hat, werden die Versteigerungen in den nächsten Tagen bei Sotheby's in New York, Lempertz in Köln und im Juni bei Grisebach in Berlin zeigen.

Erstaunlicherweise erwies sich bei Christie's mit rund 40 Prozent unverkauften Losen gerade das ausufernde zeigenössische Angebot als besonders stabil: Ein mehr als sechs Meter langes Panorama der 1967 in London geborenen Sam Taylor-Wood aus der Serie Five Revolutionary Seconds erzielte 64 625 Dollar über dem Schätzwert. Für über 100 000 Dollar fanden die Abzüge der Altmeister André Kertézs und Diane Arbus hingegen keinen Liebhaber.

Dabei ist es interessant zu beobachten, wie sehr der Erfolg der jungen Generation das Interesse auf die Vorgänger des 19. und frühen 20.

Jahrhunderts lenkt. Die unübersehbar großen Auftritte von Thomas Ruff, Andreas Gursky oder Thomas Struth öffneten offenbar Sammlern und Museen die Augen für die feinen, kleinformatigen Pionierarbeiten. "Erst über die Schiene der so genannten Becher-Schüler sind die Klassiker in Wert und Ansehen gestiegen", sagt Rudolf Kicken, seit rund 30 Jahren aktiver Verfechter der Fotografie und Galerist in Berlin. Bernd und Hilla Becher, Fotografen ganzer Serien von Industriebauten, waren als Professoren an der Kunstakademie Düsseldorf die maßgeblichen Impulsgeber für die ganze nachfolgende Generation.

Noch in den siebziger Jahren beispielsweise gab es im Metropolitan Museum in New York mit der weltweit ersten, 1940 gegründeten Fotografieabteilung noch ein Ankaufslimit von 400 Dollar pro Blatt. Nur zwei Jahre später waren dem Haus die Vintage Prints von Alfred Stieglitz, Edward Steichen, Walker Evans, Man Ray, Edward Weston, Eugène Atget, Brassai oder Garry Winogrand mehr als das Fünffache wert. Und die Sammlung mit Fotografien des Beraters des Hauses, Paul Walter, die Sotheby's am 10. Mai in New York unter den Hammer bringt, hat Taxen in Höhen von bis zu 60 000 Dollar.