Die Haut um seine matten Augen erinnert an einen zerknitterten Trenchcoat.

Doch er braucht den Blick nur ein wenig zu heben, und jeder spürt, welche Willenskraft sich dahinter verbirgt. In manchen Rollen wirkt er wie ein gerupfter Vogel: nervös, fahrig, vom Leben gebeutelt. Dabei ist jedes Fältchen, das über seine Stirn huscht, jedes Schulterzucken, jedes Armfuchteln genau da, wo es hin soll. Dustin Hoffman spielt gern aufbegehrende Verlierer. Typen, die schon abgeschrieben sind - und mit ihrer letzten Kraft über sich hinauswachsen. Marathon-Männer.

Das gilt nicht nur für seine Rollen, sondern auch für seine Arbeitsweise: Das einzig gute Gefühl beim Schreiben eines Buches ist, wenn man es geschrieben hat. Das gleiche sage ich übers Filmemachen. Trotzdem setzt er sich der Qual immer wieder aus. Ein Getriebener, für den es nichts Groteskeres gibt als Urlaub.

Hoffman steht im Ruf, schwierig zu sein. Ein Perfektionist, der Einstellungen, 30-, 40-mal wiederholt. Der jede Entscheidung diskutieren will und damit Regisseure an die Grenze ihrer Kondition treibt. Sydney Pollack etwa: Er hätte auf den Erfolg mit Tootsie gern verzichtet, wenn er die Lebenszeit zurückbekäme, die ihn die Arbeit mit Hoffman kostete. Nervensäge nannte ihn David Puttnam, und auch der Kollege Sir Laurence Olivier fragte, am Rande seiner Contenance (nachdem Hoffman einen ganzen Tag vergrübelt hatte): Warum spielen Sie die Szene nicht einfach?

Trotz der besessenen Arbeit an seinen Figuren, die - wie bei Rain Man - schon mal zwei Jahre dauern kann, bleibt Hoffman in jeder Rolle Hoffman. Und bei der Auswahl hat er Prinzipien: Ich habe immer geglaubt, es ist besser, Leute zu spielen, die etwas über die Welt aussagen. Noble Menschen. Deshalb habe ich nie Polizisten, Mörder oder Gangster gespielt. Die eher durchschnittliche Krimi-Komödie Family Business ist da nur eine kleine Ausnahme.

Vor über 30 Jahren, zur Zeit der Reifeprüfung, glaubte man dem 30-Jährigen ohne weiteres, dass er einen unbedarften 20-Jährigen spielte. Seine Filmpartnerin Katherine Ross sagte später: Er sah aus, als wenn er 1,20 Meter wäre. Er war todernst und total ungekämmt. Wie oft bei Männern, die nicht ganz dem Gardemaß entsprechen, muss auch bei Hoffman die Körpergröße (real: 1,63 Meter) als Erklärung für ihr Verhalten dienen. Doch selbst Geena Davis (1,81 Meter) sagte nach Ein ganz normaler Held, sie habe immer zu ihm aufgeblickt.

Mochte Hoffman bei der Reifeprüfung noch wie ein Durchschnittstyp ausgesehen haben, so wurde auch seine nächste große Rolle, in Asphalt Cowboy, ein Klassiker. Als lungenkranke schwule Großstadtratte Ratso Rizzo zeigte Hoffman, zu welchen Wandlungen er fähig war - und schonte sich schon damals nicht: Für den hinkenden Gang zum Beispiel steckte er sich Kieselsteine in die Schuhe.