Schon von Dennis Tito gehört? Klar, das ist doch der amerikanische Multimillionär, der an diesem Wochenende als erster Weltraumtourist zur Internationalen Raumstation (ISS) starten will. Tolle Geschichte, wird in allen Zeitungen breitgetreten. Doch wer bitte ist Umberto Guidoni? Von ihm ist nirgendwo zu lesen. Dabei ist der Italiener der erste Repräsentant Europas in der Raumstation. Vergangene Woche flog er mit der Raumfähre Endeavour zum Arbeitseinsatz in 260 Kilometer Höhe. Ein historischer Moment für Europas Weltraumprogramm! Bloß: Wen interessiert das schon?

Zugegeben, die europäische Raumfahrtbehörde Esa hat's nicht leicht. Neben dem Abenteurer Tito, der sich mit 60 Jahren einen Jugendtraum erkauft, wirkt Esa-Vertreter Guidoni wie ein biederer Möbelpacker, der lediglich eine teure High-Tech-Sendung ins All transportiert. Auch seine Lieferung, das italienische "druckgeregelte Mehrzweck-Logistikmodul Raffaello", vermag wenig Begeisterung zu wecken. Über Guidoni war daher allenfalls zu lesen, dass er "Parmesankäse und eine Verdi-CD" mit ins All nehme. So viel zu Europas Raumfahrtambitionen.

Was ist dies gegen den Aufbruch des ersten Zivilisten in den Orbit? Hebt Tito wirklich ab, wäre damit bewiesen, dass das All nicht nur den Experten offen steht, sondern im Prinzip uns allen - ein nachgerade revolutionärer Akt des amerikanischen Investmentbankers. Nörgler mögen einwenden, dass sich Tito die Demokratisierung des Alls mit 20 Millionen Dollar von der notleidenden russischen Raumfahrtbehörde erkauft hat. Außerdem musste er sich nach wochenlangen Verhandlungen der Nasa gegenüber verpflichten, im Todesfalle nicht gegen die US-Behörde zu klagen und beschädigtes Raumfahrtequipment zu ersetzen.

Dennoch wäre sein Start vom kasachischen Weltraumbahnhof Baikonur ein Sieg über den amerikanischen Weltraumimperialismus. Tito und die Russen hätten bewiesen, dass die Amerikaner eben doch nicht uneingeschränkt über die internationale Raumstation herrschen. Europas Astronauten sollten sich daran ein Beispiel nehmen - und nächstes Mal statt Verdi die Internationale einpacken.