Rom

Wie Silvio Berlusconi so dasteht und zu seinen in Scharen gekommenen Anhängern spricht, weiß man gar nicht, ob er ein Mann zum Fürchten oder zum Lachen ist. Da ist einmal dieses braun gebrannte Gesicht, das unnatürlich wirkt und auch längst außer Mode gekommen ist. Aber Berlusconi trägt es mit kindlichem Stolz genauso wie seine blendend weißen Zähne, über die er sich immerfort zu freuen scheint. Er kann sie entblößen, selbst wenn er "Kommunisten" sagt. Und spätestens wenn dieses Wort fällt, fragt man sich, lacht er oder bleckt er die Zähne? Will er einnehmen oder zubeißen? Ist er Autoverkäufer oder Haifisch?

Im Zweifel sollte man sich für die düstere Variante entscheiden. Immerhin ist Berlusconi drauf und dran, am 13. Mai die italienischen Wahlen zu gewinnen und nach 1994 zum zweiten Mal Ministerpräsident Italiens zu werden. Es ist ja nicht so, dass einer alleine dastünde, wenn er vor Berlusconi warnt. Eine ganze Reihe von herausragenden italienischen Intellektuellen haben einen Appell veröffentlicht, in dem sie vor der "Gefahr für die Demokratie" warnen, sollte Berlusconi die Wahlen gewinnen. Worin besteht nun diese Gefahr?

Seit der Geschäftsmann Politik macht, kämpft er gegen die Justiz

Da ist einmal die Art, wie er redet, oder besser, wie er auf alles einhaut, was ihm nicht gefällt. Es gelingt ihm, seinen Zuhörern ohne Mühe weiszumachen, dass sie nicht in einem demokratischen System leben, sondern in einem kommunistischen Unrechtsregime. Es lässt sich noch fragen, ob Berlusconi, der unter der angeblichen Herrschaft der Kommunisten zum reichsten Mann Italiens geworden ist, diese Behauptung selbst glaubt. Aber eigentlich ist das Nebensache, denn es zählt das Ergebnis: Er hat die Masse seiner Anhänger davon überzeugt, dass sie Opfer finsterer Apparatschiks geworden sind, die in ihrem Herzen immer noch der Sowjetunion nachtrauern. Er kann ihnen einreden, dass er immer im Recht ist und die anderen immer im Unrecht. Das geht bis in das Reich der objektiven Zahlen. Sagt die Regierung, die Arbeitslosigkeit sei gesunken, antwortet Berlusconi mit "Lüge!", sagt sie, das Wirtschaftswachstum sei angestiegen, gibt er zurück: "Propaganda!"

So geht das in einem fort. Das ist natürlich alles Humbug, aber es ist wirksam. Und das verweist auf zweierlei: auf die Macht Berlusconis und auf den Charakter des italienischen Wahlvolkes.

Berlusconi kontrolliert ein riesiges Wirtschaftsimperium (siehe nebenstehenden Text), groß genug, alles niederzuhalten, was sich ihm in den Weg stellt. Da sind zuallererst die Richter, die es gewagt haben, seine Geschäftspraktiken infrage zu stellen. Wann immer sie ihn vor Gericht bringen wollten, diffamierte er sie als "rote Roben", als besessene Kommunisten, die ihn, einen Helden des freien Unternehmertums verfolgten. Das tat er mit solcher Konsequenz und Vehemenz, dass viele sich eingeschüchtert zurückzogen.