Altherrenclubs haben ihre Vorteile: Man ist unter sich, kennt und versteht sich, es herrscht Ordnung und Ruhe. Leider entfernt man sich dabei auch stetig von der Wirklichkeit. Der mächtigste aller Männervereine hat seit dem Krieg die Geschicke der Unternehmen bestimmt: die Deutschland AG. Die Herren luden sich gegenseitig in die Aufsichtsräte, regelten Konflikte hinter vorgehaltener Hand, ertrugen die wachsende Mitbestimmung der Arbeitnehmer - und beließen die Kontrolle der Vorstände beim Minimum. Die Vereinsmeierei wurde zum teuren Standortnachteil.

Jetzt soll die Corporate Governance, die Führung und Kontrolle der Unternehmen, verbessert werden. Wie groß und aktiv müssen Aufsichtsräte künftig sein? Sollen Spitzenmanager die Räte von Firmen bestücken, die gleichzeitig auch ihre Kunden sind? Wie viele Posten kann ein einzelner Manager sinnvoll ausfüllen? Dürfen Kleinaktionäre auf Hauptversammlungen stundenlang Fragen stellen und endlose Reden halten? Gleich vier Kommissionen suchen nach Antworten. Weit fortgeschritten ist die Arbeit an einem Regelwerk für das Verhalten bei Fusionen - kommenden Januar könnte es Realität werden.

In der von der Regierung eingesetzten Kommission arbeitet ein Mann, der das Ansehen der Deutschland AG vielfältig geprägt hat: Hilmar Kopper, Exvorstandssprecher der Deutschen Bank und heute im Hauptberuf Aufsichtsrat.

Sowohl bei der Deutschen Bank als auch bei deren Beteiligung DaimlerChrysler leitet der 66-Jährige das Kontrollgremium.

In Koppers Kommission sitzen nach alter Konsensart Politiker, Unternehmer, Arbeitnehmer und Berater. Sie werden sich so schnell nicht einig werden. Ihre wichtigste Funktion zunächst: Sie lenken Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Missstand.

So viel ist schon klar: Im globalen Wettbewerb um Anleger und Analysten helfen nur Transparenz und Effizienz. Die Aufsichtsräte müssen klein, unabhängig und neugierig sein, damit sie Fehlentscheidungen der Manager benennen und beheben können. Dann brauchten Kleinaktionäre weniger Zeit, um nachzufragen, und hätten weniger Grund nachzutreten. Kontrolle und Geschäfte sind zu trennen - es geht darum, glaubwürdiger zu werden.

Schon hat sich die Deutsche Bank eigenen Regeln verpflichtet. Ihre Vorstände dürfen keinen Aufsichtsräten anderer Firmen mehr vorstehen - zu viel Zeit kostet es, wenn kontrolliert und nicht nur applaudiert wird. Einfache Ratsposten behalten die Banker dagegen in unbeschränkter Anzahl