Mitgegangen ist mitgefangen. Unter der Schwäche vieler Aktien am Neuen Markt leidet auch das dort notierte Papier des Konzertveranstalters Deutsche Entertainment AG (Deag). Dabei hat der Unterhaltungskonzern aus Berlin wenig mit Technologiewerten gemeinsam und auch nicht mit vielen anderen Medienfirmen, die sich vorwiegend auf das Geschäft mit Kino- und Fernsehproduktionen spezialisiert haben.

Deag organisiert die Tourneen bekannter Musikgruppen, wie etwa Sting oder U2, und betreibt eigene Spielstätten und Varietétheater. Im vergangenen Jahr kaufte die Deutsche Entertainment den maroden Musicalveranstalter Stella (Cats, Phantom der Oper). Im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen am Neuen Markt hat sie bislang ihre Planzahlen erfüllt. Der Umsatz wuchs im vergangenen Jahr um fast 200 Prozent auf 506 Millionen Mark, der Gewinn pro Aktie von 0,36 Mark auf 0,73 Mark. In zwei Jahren hofft Deag-Chef Peter Schwenkow beim Umsatz die Grenze von einer Milliarde zu überwinden. Für Oliver Rupprecht von M. M. Warburg ist der Gewinn von 38,8 Millionen Mark - vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen - in Relation zum Umsatz allerdings zu niedrig. Ursache des Missverhältnisses ist der zersplitterte deutsche Konzertmarkt. Traditionell machen sich hierzulande viele Veranstalter - häufig noch Familienbetriebe - gegenseitig das Leben schwer. Das drückt die Margen.

Jetzt aber scheint sich der Konzertmarkt zu ändern. Bei dem Börsengang vor drei Jahren hat die Deag viel Geld eingesammelt - und davon mittlerweile Konkurrenten und Spielstätten gekauft. Inzwischen ist sie die Nummer eins in Europa. Die Umsätze konzentrieren sich auf die Deag und den ebenfalls am Neuen Markt notierten Konkurrenten CTS Eventim. Den Eintritt des amerikanischen Weltmarktführers SFX in den deutschen Markt dürfte die Deag gut verkraften - obwohl der Aktienkurs zuletzt etwas unter Druck geriet. "Die Befürchtungen scheinen sich nicht zu bewahrheiten", sagt Karsten Siebert von Independent Research. Ein Indiz dafür sei die geplante Tournee von U2. Diese wird weltweit von SFX veranstaltet, in Deutschland arbeiten die Amerikaner allerdings mit der Deag zusammen.

Nach Sieberts Ansicht hat das Jahr 2001 für die Deag ohnehin gut begonnen, sowohl bei den Besucherzahlen der Tourneen als auch bei den Musicals. Harald Heider von der DG Bank glaubt, dass die Claims jetzt weitgehend abgesteckt sind, die Bieterwettbewerbe um die Stars würden nicht mehr so aggressiv geführt. Ein Beispiel seien die angekündigten Madonna-Auftritte, die von CTS Eventim organisiert und in Spielstätten der Deag stattfinden werden.

"Das deutsche Konzertgeschäft wird vom handwerklichen Bereich auf eine industrielle Ebene gehoben", folgert Heider. Dabei würden betriebswirtschaftliche Gesichtspunkte bedeutsamer. Konkurrenten würden sich mehr darauf konzentrieren, die Kosten zu senken. Zusätzliches Potenzial sieht der Analyst in dem geplanten Börsengang der Qivive AG. Das Joint Venture, an dem die Deag, der Axel Springer Verlag und das Buchungssystem START Amadeus (eine Lufthansa-Tochter) beteiligt sind, setzt Internet und Call-Center zur Konzertvermarktung ein. Dadurch kann die Deag Kundendaten gewinnen, die sie für Werbung verwenden könnte.