Neulich nachts stand ich halb nackt vor meinem Badezimmerspiegel.

Lediglich ein Stück Kunst von der 2. berlin biennale hatte ich um die Hüften geschlungen. Wie es dahin kam und was es da machte, ist eine längere Geschichte.

Der thailändische Künstler Navin Rawanchaikul hat im Rahmen der hauptstädtischen Supershow zeitgenössischer Kunst seine Installation Pha Kao Mar On Tour aufgebaut, eine Art quadratisches Zelt, genäht aus jenen karierten Baumwolltüchern, die in Thailand Pha Kao Mar heißen und ein bisschen an unsere Küchenhandtücher erinnern. Im Innern der bunten Lumpenhöhle stehen drei Fernseher, die Szenen aus dem thailändischen Alltag zeigen und wozu man einen Pha Kao Mar alles benutzen kann: als Lendenschurz, Kletterhilfe, Rucksack, Sporthose, Hut, Sieb, Bett-, Unter- oder Reizwäsche.

Das Tragen eines Pha Kao Mar sei ein verdammt gutes Gefühl, behauptet der Künstler, und weil es gute Gefühle in der Welt nie genug geben kann, liegen auf einer Palette vor dem Zelt stapelweise Pha Kao Mars zum Mitnehmen. Ich habe eins eingepackt (77,7 mal 174 Zentimeter, rot-weiß-grün kariert) für den Gefühlstest zu Hause. Ergebnis: In der Tat nicht schlecht, ich machte gleich, es war 23.30 Uhr, ein paar ekstatische Bewegungen, die ich für Tempeltanzschritte hielt. Das Tuch kratzt ein bisschen, vielleicht sollte ich es waschen. Aber ist es dann noch Kunst?

Eine ähnliche Frage habe ich mir auch gestellt bei den Papptellern des Amerikaners Dan Peterman, der in den Kunst-Werken in der Oranienburger Straße eine Küche eingerichtet hat, mit Kronkorken Nudeln ausstanzt und auf den Tellern - ja, was: anbietet? ausstellt? Jedenfalls kann man die Teller, auf denen der Hintergrund des Projektes erklärt wird (in Chicago gab es mal eine Bottle-Cap-Pasta-Bude), mitnehmen. Vielleicht lassen sie sich später auf dem Kunstmarkt verhökern, für eine Portion Spaghetti zum Beispiel.

Auch wenn es nicht zur Wertsteigerung kommen sollte, habe ich die Biennale reich beschenkt verlassen. Rawanchaikuls Landsmann Surasi Kusolwong offeriert in seiner Installation Happy Berlin kostenlose Massagen (ewig freundliches Thailand!)

zwischen Zimmerpflanzen und Seidenvorhängen habe ich mir auf einer von zwölf Matratzen die kunstmüden Glieder frischkneten lassen. Bei der Engländerin Fiona Banner im S-Bahnbogen Nr. 47 an der Jannowitzbrücke, einem der neuen Schauplätze der Biennale, staubte ich eines der Plakate ab, auf denen in Schockpink die ziemlich unanständige Geschichte vom Arsewoman in Wonderland gedruckt ist. In Tsuyoshi Ozawas Manga Café, einem Kinderzimmerimitat mit Hochbett und japanischen Comics, habe ich ein prima gekühltes Jever getrunken