Eine gute Nachricht: Die Berliner Philharmoniker haben einen neuen Intendanten. Franz Xaver Ohnesorg, der zuletzt die New Yorker Carnegie Hall leitete, wird das Berliner Orchester-Flaggschiff künftig zwischen den Schrecken eines schrumpfenden Klassikmarkts und leerer Haushaltskassen hindurchnavigieren. Eine schlechte Nachricht: Der neue Chefdirigent Simon Rattle, der im Sommer 2002 Claudio Abbado nachfolgen soll, hat seinen Vertrag noch nicht unterschrieben. Er fordert eine Gehaltsanpassung für seine Musiker in Höhe von 3,3 Millionen Mark, um zu verhindern, dass Abwerbung und Abwanderung die Qualität des Orchesters weiter gefährden. Durch die selbst gemachte Haushaltskrise des Landes Berlin sieht sich der Senat nun offenbar außerstande, hier kurzfristig zu helfen. Der Lotto-Topf, früher probates Allheilmittel für kleine Beschwerden, soll dem Vernehmen nach zur Sanierung des Haushalts eingesetzt werden. Berlin ist derzeit nicht einmal in der Lage, die Schlaglöcher auf der Schönhauser Allee zu stopfen. Millionengeschenke für die Kultur, so gering sie sich im Gesamthaushalt niederschlügen, wären da sicher ein unpopuläres Signal. Der Absprung Simon Rattles allerdings auch.