Der flappsige Kommentar zu dem mit Spannung erwarteten Urteil des Bundessozialgerichts vom 3. April wird dem Thema in keinster Weise gerecht.

Er führt den unkundigen Leser in die Irre und ist in seiner Sprache - zumindest für die Betroffenen - peinlich verletzend und mit unsachlichen Vorwürfen gespickt.

Auf europäischer Ebene liegen längst umfassende Daten vor, die ein erhöhtes Missbildungsrisiko bei der Icsi-Behandlung ausschließen. Seit diesem Monat liegen nun auch die Ergebnisse einer in Deutschland bei mehreren tausend "Icsi-Kindern" durchgeführten Studie vor. Die Studie widerlegt eindeutig, dass das Risiko von Missbildungen durch eine Isci-Behandlung gegenüber natürlich gezeugten Kindern erhöht ist. Auch der in dem Kommentar konstruierte Zusammenhang zwischen der Icsi-Methode und der Weitergabe einer genetisch bedingten Unfruchtbarkeit beim Mann ist so nicht vorhanden. Damit die Spermien eines Mannes für eine In Vitro Fertilisation (IVF) verwendet werden können, muss deren Qualität überdurchschnittlich gut sein. Die durchschnittliche Spermienqualität nimmt in den westlichen Ländern aber seit Jahren stetig ab. Bei den allermeisten Männern sind allerdings ausreichend gesunde beziehungsweise genetisch völlig intakte Spermien vorhanden, um eine IVF/Icsi-Behandlung durchführen zu können. Ohne den Einsatz der Spritze - durch ein reines Zusammenbringen von Spermien und Eizellen wie bei der IVF - wäre die Chance einer Schwangerschaft deutlich geringer und die IVF schon aufgrund der belastenden Begleitbehandlung für die Frau nicht vertretbar.

Kann eine Frau also beispielsweise aufgrund eines Eileiterverschlusses nicht schwanger werden, wird der Einsatz der Spritze notwendig, um die Wahrscheinlichkeit einer Befruchtung auf das natürliche Maß anzuheben, wenn gleichzeitig beim Mann eine verminderte Spermienqualität vorliegt. Der Vorgang, mittels Spritze ein vorher aufgezogenes Spermium in eine Eizelle einzubringen, ist keineswegs spektakulär und dauert bei erfahrenen Biologen nur wenige Sekunden.

Herr Albrecht, ich frage Sie, weshalb gesunde Paare, die sich ein Kind wünschen, auf medizinische Hilfe verzichten sollen? Wie häufig werden medizinische Eingriffe aus weitaus unbedeutenderen Gründen vorgenommen und dies selbst dann von den Krankenkassen bezahlt, wenn der Patient seine Erkrankung mit allzu waghalsiger sportlicher Betätigung selbst verursacht hat?

Bei Icsi geht es lediglich darum, einen natürlichen Vorgang nachzustellen und mit einem einfachen medizinischen Hilfsmittel eine biologische Schwachstelle zu überbrücken. Solche Handlungen gibt es tausendfach in der Medizin.

Dr. Dorothea Gowin, Erzhausen