Christian Pfeiffer hat in einer Weise Recht, dass es uns Männern nur die Schamröte ins Gesicht treiben kann. Einige Thesen müssten freilich ergänzt werden.

So müsste gefragt werden, wie die geschlechtsspezifischen Erziehungs- und Rollenmuster entstehen und wie sie übertragen werden. Nicht nur der Vater oder der Geschlechtsgenosse lobt den männlichen Jugendlichen für erfolgreiche Gewalt und für den Sieg, es ist auch die Mutter! Ist die Beziehung zwischen Mutter und Vater eines Jungen zerbrochen, verbleibt das Kind ja zuallermeist leider bei der Mutter. Sie erzieht den Sohn. Sie projiziert auf ihn das Wunschbild des idealen Partners, des verlorenen Mannes und - woher hat sie ihre Rollenvorstellung? - des starken und autoritären eigenen Vaters.

Verantwortung jedenfalls für die Erziehung zum Macho tragen nicht nur die Männer. "Am sichersten leben wir, wenn Frauen und Männer gleichberechtigt sind", sagt Pfeiffer. Wie Recht er hat! Doch dazu bedarf es auch der selbstkritischen Einschätzung allein- oder überwiegend alleinerziehender Mütter von Söhnen und der Emanzipation von Söhnen von übermächtigen Müttern.

Peter Kraft, Hannover

Wie Bachofen und Engels bietet Pfeiffer die ganze Weltgeschichte zum Beweis für die Bosheit der Männer auf. Zu fragen ist aber: a) Haben die Männer dies alles als Männer gemacht oder als Mächtige, und b) wie haben sich Frauen verhalten, wenn sie Macht hatten?

Und da wissen wir eben (und brauchen dazu nicht einen Essayisten wie Fukuyama), dass Frauen als Kriegerinnen, Schlächterinnen, KZ-Aufseherinnen, Folterinnen, Spitzelinnen und so weiter immer ihren Mann gestanden haben, sobald sie selbst oben oder mit dabei waren. Also könnte es die Macht sein und nicht das Geschlecht, die Frauen und Männer zu Opfern macht.

Prof. Michael Bock, Mainz