Die Zeit: Herr Schmid, sie vertreten - gemeinsam mit vier Kollegen - fast alle Hinterbliebenen der deutschen Opfer des Concorde-Absturzes vom 25. Juli 2000. Einzelne Angehörige werden allerdings von anderen Anwälten beraten und klagen jetzt vor einem US-amerikanischen Gericht in New York.

Ronald Schmid: Dieses Vorgehen ist für mich unverständlich und hat bei den Verhandlungen mit der Air France kurzfristig auch zu Irritationen geführt.

Zwar haben auch wir von Anbeginn keinen Zweifel gelassen, dass wir notfalls eine Klage vor einem US-Gericht anstrengen könnten, doch aus meiner Sicht gab es dafür bislang keine Notwendigkeit.

Zeit: Sie haben sich jedenfalls mit Air France auf ein Angebot zur außergerichtlichen Einigung verständigt, das derzeit Ihren Mandanten vorliegt. Danach sollen die Angehörigen der Concorde-Opfer Entschädigungen erhalten, die in Deutschland so noch bei keinem derartigen Unfall gezahlt wurden.

Schmid: Richtig. Die Beträge werden über den Höchstgrenzen des Warschauer Abkommens von 53 500 Mark liegen. Allerdings ist die kolportierte Zahl von 3 Millionen Mark pro Opfer völliger Unsinn. Ich erwarte aber, dass meine Mandanten das Angebot akzeptieren.

Zeit: Was hätte den Angehörigen denn nach deutschem Recht zugestanden?

Schmid: In vielen Fällen fast nichts, denn in Deutschland werden nur so genannte wirtschaftliche Schäden wie etwa Unterhaltsansprüche, Kosten einer Heilbehandlung oder Beerdigungskosten ersetzt, und das im Regelfall auch nur bis zu 53 500 Mark. Schmerzensgeld für den Verlust einer nahe stehenden Person gibt es dagegen im Deutschen Luftverkehrsrecht nicht.