In den Frühzeiten meiner enormen publizistischen Karriere gab ich einmal den Umfang von Prousts Auf der Suche nach der verlorenen Zeit mit dreizehn Bänden an. Ein Leser schrieb mit Recht, ich wäre ein "Warenästhet", und ich antwortete ihm prompt, dass jedem Warenästheten zum Glück ein wahrer Ästhet auf dem Fuße folge. Der wahre Ästhet erkennt sofort, dass die Verteilung der drei Bände von Prousts Suche auf dreizehn Bücher eine Leistung des Suhrkamp-Verlags war: Ich besitze heute noch die schönen grauen dreizehn Bände der werkausgabe edition suhrkamp, auch wenn es längst als suhrkamp taschenbuch eine Ausgabe in drei Bänden gibt. Auf dem Schuber, in dem diese drei Bände verkauft werden, steht Michael Maars wunderbares Wort: "Wenn die besten Bücher Licht emittieren könnten, würde im fleckigen Halbdunkel der Bibliothek ein goldener Ziegel leuchten, die Recherche."

Diesen goldenen Ziegel, der aus dem fleckigen Halbdunkel hervorleuchtet, nenne ich einen gelungenen Werbespot. Jüngst habe ich einen Werbeleiter reden hören. Er war sicher einmal Studentenrevolutionär und kämpfte unerbittlich für Ho Chi Minh. Heute kämpft er für die exakte Wiedererkennbarkeit einer Ware anhand ihrer Marke. In dem Zusammenhang referiert er auch gerne über das Schöne: Vom Schönen werden wir einerseits versklavt, aber andererseits verbindet es die Menschen, wenn sie "einander schöne Dinge zeigen". Der Warenästhet als Rezensent fühlt sich durchschaut: Auch er zeigt den Menschen immer wieder "schöne Dinge".

In den Schönheitskonkurrenzen der Taschenbuchindustrie spielen ganz kleine Bücher eine große Rolle: Sie gehören zur Reihe Kleine Diogenes Taschenbücher.

Eine Tasche ist für diese Bücher zu groß, sie bedecken kaum eine Handfläche.

Sie sind Miniaturen der ausgewachsenen Diogenes-Taschenbücher, an die sie in ihrem Kleinformat nachdrücklich erinnern

sie sind Bücher und zugleich auch Werbeträger: Sie werben für einen Verlag, der immer die allerschönsten Bilder der klassischen Malerei auf den Buchumschlägen zeigt.

Henry David Thoreaus Essay Vom Spazieren, ein Taschenbuch aus der kleinen Reihe, zeigt eine Flusslandschaft: Wälder am Ufer und dahinter emporragend Gebirgszüge. Die Landschaft ist in Blau-Grau getaucht: In der Dämmerung erscheint die Natur vom Licht verrätselt. Das Bild stammt aus den Jahren 1869/70, es heißt: Blick auf den Androscoggin River, Maine, und der Name des Malers lautet: Daniel Johnson.