Die Musikindustrie hat in Todesanzeigen bereits das Ableben von Viva 2 betrauert, doch noch ist der kleine, schräge Musiksender nicht tot. Offen ist nicht nur, wann Viva-Chef Dieter Gorny den Sender abschaltet, sondern inzwischen auch, ob überhaupt. Eigentlich sollte Viva 2 als Programmfenster beim Schwestersender Viva weiterleben, um Platz für ein gewinnträchtigeres Projekt zu schaffen. Gorny verhandelt mit diversen Partnern wie RTL, Brainpool und NBC-Giga. Und stellt plötzlich fest, dass es nur wenige echte Alternativen gibt. Selbst die mehreren Millionen Mark Verlust, die Viva 2 jährlich macht, erschienen ihm eher gering gegenüber dem, was andere Projekte verschlingen würden, sagt er. Jetzt läuft Viva 2 erst mal wie gehabt weiter, und auch langfristig kann sich Gorny neuerdings vorstellen, das Programm nur zu reformieren. Oder, in seiner Sprache: "Es scheint fast besser zu sein, das Baby aus sich selbst neu zu klonen, anstatt auf fremdes Sperma zurückzugreifen."

Offenbar hat Springer-Zeitungsvorstand Mathias Döpfner nun den Kostenfaktor Kantine entdeckt. Wie sonst ließe sich erklären, dass in der aktuellen Welt am Sonntag gleich zwei Kolumnisten ein Loblied auf aufgewärmtes Gulasch singen? Bei Max Witzigmann geht es um Gulasch und Fußball, bei Franz-Josef Wagner um Gulasch und das große Glück, "gespeist von der Erinnerung des Vortags, sozusagen überflutet von geiler Zungenlust". Wenn Sie nächste Woche in der WamS ein Lob auf die recycelte Bratwurst oder die verbrannte Bratkartoffel lesen sollten, wissen Sie warum.

Stefan Niggemeier (offline@zeit.de)