Alle werden weniger, nur die Alten nicht! In Zukunft wird Deutschland weniger Einwohner haben als heute. Trotzdem wächst die Zahl der alten Menschen. Für uns ist dies eine neue Erfahrung. Denn durch den Babyboom der fünfziger und sechziger Jahre, aber auch durch die vielen Geburten in der DDR der achtziger Jahre gab es in Deutschland bislang relativ viele junge Leute. Und die standen als Konsumenten, Wähler und Trendsetter häufig im Mittelpunkt des Interesses von Politik, Wirtschaft und Werbung. In Zukunft wird die Aufmerksamkeit der Parteien, aber auch der Hersteller von Konsumgütern und vieler spezialisierter Dienstleister den Alten gelten. Sie sind der neue Hoffnungsmarkt.

Alterung und Schrumpfung der Bevölkerung haben zwei Ursachen. Die erste Ursache ist höchst erfreulich: Wir leben im Schnitt deutlich länger als unsere Vorfahren. Allein im 20. Jahrhundert wuchs die Lebenserwartung in Deutschland um 30 Jahre. Mehr Wohlstand, finanzielle Absicherung im Alter, eine gesündere Ernährung, aber auch immer raffiniertere und teurere Formen der medizinischen Behandlung haben dazu beigetragen. Es gibt kaum Anzeichen, dass wir den Plafond schon erreicht hätten. Im Gegenteil: Die Lebenserwartung steigt ungebremst. Vor allem die Ostdeutschen konnten in jüngster Zeit noch deutlich zulegen.

Die gewonnenen Jahre verdanken wir nicht bloß dem höheren Lebensstandard. Sie haben wohl auch damit zu tun, dass die meisten Deutschen über 60 Jahre nicht mehr arbeiten. Viele geben ihren Arbeitsplatz sogar schon vor dieser Zeit auf oder finden im erlernten Beruf keinen angemessenen Job mehr. Arbeitslosigkeit im Alter und die weit verbreitete Frühverrentung bedeuten jedoch nicht, dass ältere Arbeiter und Angestellte in der Regel müde, kaputt und gesundheitlich angeschlagen in den Ruhestand gehen. Das Gegenteil ist der Fall. Noch nie waren Deutschlands Rentnerinnen und Rentner im Schnitt so rüstig wie heute.

Noch nie hatten sie so hohe Renten. Und für die alten Bundesländer gilt auch: Noch nie waren Westdeutschlands Rentner so vermögend.

Der Geburtenrückgang der Zukunft ist schon programmiert

Die Alten von heute und morgen haben wirtschaftliche Macht. Sie werden auch politisch an Einfluss gewinnen. Schon bei der übernächsten Bundestagswahl wird fast die Hälfte der Wählerinnen und Wähler über 50 Jahre alt sein.

Einschneidende Reformen der Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung lassen sich daher immer schwerer durchsetzen.