Kann ein Weltökonom irren? Augenscheinlich. Herr Schmidt unterstellt mir "Säbelrasseln". Ist es wirklich Säbelrasseln, wenn ich angesichts stotternder Dynamik in der deutschen Konjunktur, aufziehender Gefahren im Welthandel und nachlassender US-Konjunktur moderate Lohnabschlüsse fordere? Ich halte es im Interesse des Wettbewerbs und der Arbeitslosen für richtig, die Lohnkosten für mehrere Jahre auf den derzeitigen Stand einzufrieren, aber durch gewinnabhängige Einmalzahlungen zu begleiten, wenn es die Geschäftslage der Unternehmen erlaubt. So wird mehr betriebsorientierte Flexibilität in die Tarifpolitik eingeführt. Mit einem Wort: Ich bin Anhänger des Flächentarifvertrages, aber er muss neuen Erfordernissen angepasst werden.

Wenn die Gewerkschaften weiterhin nur so alte "Tarifprodukte" wie bisher anbieten, sollen sie sich nicht wundern, wenn ihnen die Mitglieder weglaufen.

Wer kauft heute schon einen Anzug von der Stange, der vor zehn Jahren einmal schick gewesen ist.

Erlaubt sein muss ein Wort über das Demokratieverständnis des Altbundeskanzlers Schmidt und zu seinen Ausführungen über die Pflichtmitgliedschaft der Unternehmen bei den Industrie- und Handelskammern.

Diese Pflichtmitgliedschaft ist verankert in einem Gesetz, nach dem der DIHT-Präsident verpflichtet ist, für die Interessen der gewerblichen Wirtschaft einzutreten. Es geht daher nicht an, Drohungen gegen die Pflichtmitgliedschaft auszustoßen, wenn ich sinnvolle Vorschläge in die wirtschafts- und tarifpolitische Diskussion einbringe, die Herrn Schmidt nicht in seine Weltanschauung passen.

Ludwig Georg Braun Präsident des Deutschen Industrie- und Handelstages Berlin