Der Bus watschelte wie eine Ente, die ein Rennen gewinnen sollte. Jede Kurve, jedes Gefälle nahm der Fahrer in leichtsinnigster blinder Todesverachtung. Die griechischen Passagiere fürchteten nicht den Tod, sie fürchteten die Zugluft." Wolfgang Koeppen, als Romancier verstummt, bereiste die Welt, kühl war sein Blick: "Lichter auf dem Berg der Nymphen. Wenig Liebespaare. Ein paar Strichmädchen, nicht typisch für Athen."

Woran es lag, dass Koeppen verstummte, wissen wir bis heute nicht. Der Autor hat seine Reisen als Wege aus der Krise verstanden. Das jetzt als Insel-Taschenbuch vorliegende, großzügig gedruckte und schön illustrierte Feuilleton einer Griechenlandfahrt ist ursprünglich im Hörfunk gesendet worden.

Der Titel ist etwas irreführend: Von Salamis sieht Koeppen nur einen "grauen Schatten" im Meer. Dort siegte 480 vor Christus die griechische Flotte über die Perser, es begann die Blütezeit der attischen Demokratie. Da wir noch heute von dieser kurzen Periode aus "Gnade und Glück und Genie" profitieren, sind wir die eigentlichen Erben von Salamis.

Koeppens Feuilleton gilt Athen und der Akropolis, Mykenä, Epidaurus und Delphi. Den Saronischen Golf sieht er als "attische Riviera", in Piräus entdeckt er den "Abglanz der Freiheit", der aus jener Zeit noch spürbar sei.

Der Dichter reiste 1961 per Flugzeug an, und im Gegensatz zu Goethe und Hölderlin hat er die "Gestade" der abendländischen Kultur selbst gesehen. Ihr Anblick war kein Grund für ihn, einen hohen Gesang auf Hellas als die Wiege der Menschheit anzustimmen.

Kühl registrierte er, was er sah: den Verfassungsplatz von Athen, "ein Beispiel mediterraner Sommeröde"

den Eintrachtsplatz, "europäisch provinziell". Mykenä sei eine "böse Felsenburg", Piräus hässlich, Athen gesichts- und glanzlos, unelegant und unliebenswürdig - die Stadt Ottos von Bayern und damit "biedermeierlicher Klassizismus" von Baumeister Klenze.