Die deutsche Universität leidet unter Überfüllung. Ein Grund: Sie ist offen für jeden, ganz gleich wie gut oder schlecht er ist, solange er das Abitur hat. Freilich erleben viele, dass die offene Tür eine Drehtür ist: auf der einen Seite rein, auf der anderen wieder raus.

Die hohen Schwundquoten an deutschen Universitäten beunruhigten hierzulande jahrzehntelang niemanden. Die Zahl der Fachwechsler und Abbrecher beträgt seit Jahren durchgängig mehr als ein Drittel, in manchen Fächern wie in Geschichte oder Philosophie steigt sie auf 60 bis 80 Prozent an. Eine gewaltige Lücke klafft zwischen Studienberechtigung und Studienbefähigung.

Falsche Erwartungen der Studienanfänger und schlechte oder fehlende Beratung verschärfen den Missstand noch.

Das spüren nicht nur die Hochschulen. Inzwischen suchen auch Politiker wie die Kultusminister Thomas Oppermann (SPD) in Niedersachsen und Klaus von Trotha (CDU) in Baden-Württemberg oder der CSU-Chef des Hochschulausschusses im bayerischen Landtag, Paul Wilhelm (CSU) nach Wegen, die richtigen Studenten auf den richtigen Studienplatz zu bringen. Ihr Prinzip ist "Qualität durch Wettbewerb". Konkurrenz unter den Hochschulen heißt vor allem Wettbewerb um Studenten - und das heißt wiederum Auswahl. Die aber ist in Deutschland ein ähnlicher Gottseibeiuns wie die Studiengebühren.

Im Prinzip dürfen Hochschulen schon heute in Auswahlgesprächen ihre Studienplätze in Fächern wie Psychologie oder Medizin eigenständig vergeben.

Das Verfahren hat jedoch einen entscheidenden Konstruktionsfehler: Auswählen dürfen die Universitäten nur ein Fünftel ihrer Studenten. Wer abgelehnt wird, darf sich weiterhin über die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) bewerben - sodass am Ende wieder der gleiche Studentenmix wie bisher im Seminar sitzt. Kein Wunder, dass die Universitäten von dieser Freiheit kaum Gebrauch machen.

Eine richtige Bestenauswahl, bürokratisch "Eignungsfeststellung" genannt, ist nach geltender Rechtslage nur in zwei Fällen erlaubt: