Für Andreas Woitzik von der Deutsche Derivate GmbH ist die Sache klar.

"Ein Fondsmanager, der seinen Vergleichsindex nicht schlägt, hat keine Leistung erbracht", lautet sein kompromissloses Urteil. Dennoch schaffen es in der Praxis nur sehr wenige Experten, mit ihrer Wertpapierauswahl eine bessere Performance zu erreichen als das jeweilige Börsenbarometer. In Zeiten, in denen die Bären das Regiment an der Börse übernommen haben, fällt dies besonders auf. Schließlich hoffen die Anleger in der Baisse umso mehr auf ein glückliches Händchen ihres Fondsmanagers. Kritischer betrachtet werden in schlechten Börsenphasen auch der Service und die Kosten eines Anbieters. Wenn die Kurse purzeln, fallen mangelhafte Kundenbetreuung und hohe Preise besonders auf.

Die Fondsanbieter können es sich immer weniger leisten, dem Kunden nur die hauseigenen Offerten anzubieten. Nach Ansicht von Peter Engel, Asset-Management-Experte der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, haben die Direktbanken den Anleger mit ihrem großen Fondsangebot erst richtig auf den Geschmack gebracht. Ob Consors, Deutsche Bank 24, comdirect bank, Direkt Anlage Bank oder Allgemeine Deutsche Direktbank - zwischen Haushalt, Kind und Autopflege kann der Kunde dort per Internet bequem bis zu 2500 verschiedenen Fonds der Top-Fondsgesellschaften vergleichen und wählen.

Das bringt die anderen Kreditinstitute unter Zugzwang. Nach der Citibank ist die HypoVereinsbank inzwischen die zweite traditionelle Bank, die nicht mehr nur eigene, sondern auch Fonds anderer Gesellschaften anbietet. Die Citibank setzt in der Kundenberatung sogar das unabhängige Fondsrating der Agentur Standard & Poor's ein.

Anbieter fürchten um den traditionellen Vertriebsweg

Mit der amerikanischen Fondsgesellschaft Fidelity und der Fondstochter der feinen Privatbank Metzler haben auch die ersten Fondsgesellschaften so genannte Fondssupermärkte geschaffen. Der Münchner Anbieter Adig steht ebenfalls in den Startlöchern.

Die 6. Novellierung des Kreditwesengesetzes macht es den Kapitalanlagegesellschaften seit 1997 möglich, auch Fondsanteile anderer Investmentgesellschaften zu verwahren. Was die Investmenthäuser bewegt, auch Konkurrenzprodukte anzubieten? "Eindeutig die Angst vor dem Wegbrechen traditioneller Vertriebswege", sagt John Schröder von dem Brokerpool Finanzplan. "Die deutschen Großbanken verzichten zunehmend darauf, ausschließlich die Fonds ihrer Tochtergesellschaften zu vermitteln. Damit fällt für einige dieser Investmenthäuser der wichtigste, weil kalkulierbare Vertriebsweg zumindest teilweise weg. Erträge aus den Vertriebsmargen fremder Fonds sollen dies nun auffangen."