Großer Familienschinken, adlige Kreise, schöne Schlösser, fürstliche Roben, Tiere, Liebe, historische Dimensionen, Zweiteiler. Fernsehen für Frauen. Man soll es nicht verachten. Das Genre hat seinen Wert, und gut gemachte Stücke gefallen auch Männern.

Leider sind historisierende Familiendramen teuer. Deshalb gibt es sie auch selten im Fernsehen. Und man kann kaum sparen. Die Spitzen, die Hüte, das Porzellan, die Kutschen - das muss schon stimmen, es macht in seiner Authentizität einen großen Teil der Attraktivität so eines Filmes aus. Und dann die Schauplätze - irgendeine Kulisse tut es nicht, das Publikum will ein Gemäuer mit Aura. (Ohne Komparsen geht's auch nicht ab, vor allem, wenn kriegerische Verwicklungen und Jagdszenen vorkommen.) Kurz: Bis sich so eine große bunte Fernsehtorte rechnet, muss schon eine gewisse Einschaltgarantie vorliegen.

Die gibt es letztlich nicht. Aber man kann kalkulieren. Gewisse magische Namen ziehen, so glaubt man, immer. Zum Beispiel: Sissi. Zwar ist die unglückliche Kaiserin nun schon mehrfach durch die Mangel gedreht worden, aber da war doch ein Umkreis, da waren Geschwister. Und so entschied man sich für Sophie - Sissis kleine Schwester - immerhin eine echte Hoheit mit Reizen, Charakter und Schicksal. Und sie war mit Ludwig II. von Bayern verlobt. Das muss doch den Frauen gefallen. Also los.

Der erste Teil bedient in der Tat treu und manchmal auch pfiffig die Erwartungen des Fernsehtorten-Publikums. Eine Fürstentochter mit eigenem Kopf lässt sich nicht gängeln - und scheitert bei ihrem Versuch, in Liebesdingen gegen die Staatsräson anzurennen. Erfrischend einfach agiert Valerie Koch als Sophie in ihrer ersten Fernsehrolle

mit einem Sinn für Raffung und manchmal in gewagten Sprüngen entwirft Regisseur Matthias Tiefenbacher die Geschichte.

Wär's bei dem ersten Teil geblieben, hätte man trotz mancher allzu dreister Koketterie mit dem Kitsch doch Respekt sagen mögen. Aber leider gibt's noch Teil zwei.

Hier hat die Macher der Wunsch gepackt, den Superschinken Vom Winde verweht im europäischen Format zu wiederholen. Es ist ja dieselbe Zeit. Und was den Amerikanern ihr Bürgerkrieg, war uns Europäern der deutsch-französische Krieg: Soldaten in bunten Uniformen, verröchelnde Rösser, kaputte Kanonen.

Als sich das Sopherl kurz nach Kriegsende in die Heimat durchkämpft und dort nur noch den toten Vater und die wahnsinnige Mutter vorfindet, reibt man sich die Augen. In Vom Winde verweht ist zwar die Mutter tot und der Vater verrückt, aber sonst ist die Ähnlichkeit schlagend. Nur dass eben doch Scarlett eine Klasse taffer und Clark Gable eh nicht zu toppen ist. Seltsam: Gerade im Vergleich wird deutlich, wie mühsam reanimiert diese Geschichtstrümmer um Ludwig II., Sissi und irgendwelche Schwestern sind. Im Grunde interessiert das niemand mehr. Es gibt eben, gottlob, auch Geschichte, die vergeht. (Selbst im Fernsehgeschmack von Frauen überdauert nicht alles.)

Sophie - Sissis kleine Schwester So 6. 4. und Mo 7. 4. RTL, 20.15 Uhr