Nach dem Yoga wird dunkler Getreidebrei (Kurakan) zum Frühstück serviert. Das große Glas mit frischem Mangosaft findet mehr Zuspruch.

Dann die dritte Ölmassage für den ganzen Körper - wieder 40 Minuten im Peace Heaven. Die Massage beschert mir eine neue Körper-Erfahrung. Nach einigen Minuten, in denen ich meine Körperkonturen durch die streichenden Bewegungen besonders deutlich merke, verschwindet diese Wahrnehmung und ich tauche in einen wohligen, formlosen Zustand ein.

Nachmittags zum Tee haben wir Besuch von Pater Harry Haas. Er lebt seit 1983 in Sri Lanka und nennt sich freischaffender Katholik. Freischaffend, weil er sich nicht von der Kirche für seine Arbeit als Priester bezahlen lässt. Interkultureller Dialog, das ist sein Arbeitsfeld und wohl auch Lebensaufgabe und Berufung. Und hierbei möchte der Weltbürger, wie er sich selbst nennt, seine Ideen und Aktivitäten nicht durch die Richtlinien, Sprachregelungen und Vorschriften seiner Kirche begrenzen lassen. Netzwerke sind Gebilde, in denen auch Harry Haas die Zukunft sieht. Seit 1993 arbeitet er mit einigen Frauen am Bandarwela Woodlands Network, eine Anlaufstelle für Touristen, die Sri Lanka hautnah erleben wollen, die den Austausch und Dialog mit den hier lebenden Menschen suchen. Unter www.uvanetwork.lk kann man schon von zu Hause aus Kontakt mit diesem Netzwerk aufnehmen und erste Wünsche zum Reiseprogramm äußern. Das Reisen mit dem Zug und ein Aufenthalt auf den Teeplantagen im Hochland der Provinz Uva werden vom Woodlands Network als gute Möglichkeiten der Begegnung zwischen den Kulturen vorgeschlagen.

Der Esskultur misst Harry Haas bei seiner interkulturellen Bildungsarbeit so viel Bedeutung bei, dass er zusammen mit seiner Lebensgefährtin Eileen Candappa Kochbücher schreibt. Die Genussfähigkeit, so meint er, sei uns im Norden Europas, also auch in Deutschland, abhanden gekommen. Hier will er mit seinen Veröffentlichungen etwas von dem, was er in Sri Lanka gelernt hat, seiner Heimat zurückgeben und schreibt: "Der Genuss an aromatischen Speisen setzt sich fort in Sympathie für Menschen mit anderem Geschmack. Die beiden Autoren glauben keineswegs, durch Rezepte oder Kochdemonstrationen die Welt verändern zu können, aber sie waren der Meinung, dass es ohne diese Kontaktaufnahme zwischen Menschen, kaum möglich ist." (aus: "Herzhafte Mahlzeit") Von dem ceylonesischen Koch- und Lesebuch hat er schon mehr als 100.000 Exemplare verkauft. Auch wir greifen zu, immerhin ein vom Autor signiertes Exemplar.

Der Mond ist nur noch eine schmale Sichel, als wir über die Sonne reden. Sie ist das Symbol für unser Pitta, das Feuer, das verantwortlich ist für alle Umwandlungen auf körperlicher, geistiger und seelischer Ebene (siehe auch Ayurveda-Kompendium, Teil 6). Menschen, die ein starkes Pitta haben, greifen zu, sind zielgerichtet und begeisterungsfähig. Ein zuviel an Pitta führt zu sozial wenig verträglichem Verhalten: Konkurrenz und Arbeitswut, die dann zu Herzbeschwerden und Kopfschmerzen führen können. Um das Pitta zu harmonisieren ist Ruhe, Kühle und Gelassenheit, Loslassen angesagt. Ringelblume, Melisse, griechischer Bergsalbei und Kamille sind die Kräuter, aus denen der gestresste Managertyp sich für sein strapaziertes und überschießendes Pitta seinen abendlichen Tee zusammenstellen sollte.