Der Sturz ist tief: Roland Mertelsmann, einst gefeierter Gentherapiepionier und viel gesuchter Gutachter, muss fortan mit dem Makel des "wissenschaftlichen Fehlverhaltens" leben. So lautet das Urteil der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) über den Freiburger Krebsmediziner, dessen Abteilung vom größten Fälschungsfall in der deutschen Wissenschaft erschüttert worden war (ZEIT Nr. 28/00). Zwar wird Mertelsmann nicht beschuldigt, aktiv gefälscht zu haben. Allerdings wirft ihm die DFG vor, seine Aufsichtspflicht "schwerwiegend" vernachlässigt zu haben, seiner Verantwortung "als Wissenschaftler in leitender Person nicht gerecht geworden" zu sein. Die Konsequenz: Für insgesamt fünf Jahre (zwei davon rückwirkend) schließt die DFG Mertelsmann sowohl von ihren Gremien als auch von der Antragstellung aus. Ein Urteil, das an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt.

Doch auch in Arbeiten von Mertelsmanns ehemaligen Mitarbeitern Wolfram Brugger und Lothar Kanz fanden sich "schwerwiegende Mängel". Daher schließt die DFG Brugger und Kanz, die heute in Tübingen tätig sind, ebenfalls für zwei Jahre aus ihren Gremien aus- allerdings nur rückwirkend. Sie berücksichtigt dabei die "schweren persönlichen Nachteile", die den beiden durch die Medienberichterstattung entstanden seien. Ein mildes Urteil - doch in Tübingen scheint man es mit einem Freispruch zu verwechseln. Der Fälschungsvorwurf gegen die Mediziner sei ausgeräumt, freut sich die Universität. Das Verfahren zeige, dass das in Kanz und Brugger gesetzte Vertrauen gerechtfertigt sei. So schönt man vielleicht das eigene Ansehen. Der Wahrheitsfindung dient das nicht.