Geschichtsort Villa ten Hompel - diesen Namen wird man sich künftig merken müssen. Hier wurde am Montag, im Beisein des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten und des Vorsitzenden des Zentralrats der Juden, feierlich eine Dauerausstellung eröffnet, die in der Bundesrepublik ihresgleichen sucht: Sie zeigt, wie die deutsche Ordnungspolizei, auch Grüne Polizei genannt, im "Dritten Reich" vom Verfassungsschützer zum Verfassungsbrecher wurde und, statt Menschen vor Unrecht zu schützen, sich zum Massenmord hergab.

Einen besseren Platz als die ehemalige Fabrikantenvilla am Kaiser-Wilhelm-Ring in Münster hätte man sich nicht denken können. Als sie in den Besitz des Reichsfiskus gelangte, zog dort 1940 der Befehlshaber der Ordnungspolizei für den Wehrkreis VI ein. Ihm unterstand der größte Polizeibereich in Deutschland: das Gebiet des heutigen Nordrhein-Westfalen samt dem Bezirk Osnabrück und Teilen des besetzten Belgiens. Unter den zwölf Millionen Einwohnern waren 2000 Mann, die dem damaligen Befehlshaber Heinrich Lankenau unterstanden. Vor einigen Jahren beschloss der Stadtrat von Münster, das Haus dem Land abzukaufen - übrigens gegen die Stimmen der CDU-Opposition - und dort eine Stätte des Erinnerns, der Forschung und der historisch-politischen Bildung zu errichten.

Die Ausstellung hat einen auf den ersten Blick merkwürdigen Titel: Im Auftrag. Polizei, Verwaltung und Verantwortung. Gemeint sind die 40 Mitarbeiter des Befehlshabers, die wie selbstverständlich auch noch die ungeheuerlichsten Weisungen mit "Im Auftrag" (I. A.) unterschrieben. Befehl ist Befehl. Dem Besucher der Ausstellung soll klar werden, dass ein scheinbar harmloser Angestellter zum Schreibtischtäter von Verbrechen gegen die Menschheit werden kann.

An die 450 000 Mark haben sich Bund, Land, Stadt und Förderungsverein den Umbau und die Anschaffungen kosten lassen. Es hat sich gelohnt: Alles ist auf ein breites Publikum angelegt, fachhistorisches Wissen wird nicht vorausgesetzt. Man hat sich sogar die Mühe gemacht, die Texte in ein verständliches Deutsch zu bringen, damit jedes Schulkind sie begreifen kann.

Vorgesehen ist aber auch, die Ausstellung in den Unterricht für Polizeibeamte und Angehörige anderer Verwaltungen zu integrieren. "Wir wollen Interessierte informieren, überraschen, engagieren und letztlich herausfordern", sagt Alfons Kenkmann, der Leiter der Bildungsstätte.

Auf Adolf Hitler vereidigt

Das multimediale Antlitz der Ausstellung macht den Gang durch die fünf Abteilungen geradezu spannend. Im ersten Raum kann der Besucher die für damalige Verhältnisse moderne Technik - Telefon, Rundfunk und Fernschreiber - ausprobieren. Töne und Geräusche wecken die Neugier, und wer will, kann sich auch eine Rede Heinrich Himmlers anhören, des Reichsführers SS und Chefs der deutschen Polizei.