Friedrich I. war klein und verwachsen seine Miene war stolz, seine Physiognomie gewöhnlich. Seine Seele glich den Spiegeln, die jeden Gegenstand zurückwerfen. Er war äußerst bestimmbar." - "Er verwechselte Eitelkeiten mit echter Größe." - "Er verschacherte das Blut seines Volkes an Engländer und Holländer, wie die schweifenden Tataren ihre Herden den Metzgern Podoliens für die Schlachtbank verkaufen." - "Seine Hofhaltung war eine der prächtigsten in Europa, seine Gesandtschaften waren nicht minder prunkvoll als die der Portugiesen. Seine Bauten waren prachtvoll, seine Feste glänzend, seine Marställe und Dienerschaft zeugten eher von asiatischem Prunk als von europäischer Würde." Diese Sätze, deren elegante Kälte den Stil des 18.

Jahrhunderts verrät, stammen nicht von einem bürgerlichen Kritiker des absolutistischen Staates - oder gar aus Schillers Kabale und Liebe, wo sie gut hineinpassen würden -, sondern vom Enkel des so Gescholtenen, von Friedrich dem Großen sie stehen in dessen Geschichte seiner eigenen Familie, des Hauses Brandenburg.

Das Charakterbild seines Großvaters Friedrich, des ersten preußischen Königs (1688 bis 1713, König seit 1701), dient dem Enkel dazu, kontrastierend seinen eigenen Begriff von Monarchie zu entfalten: "Die Vorurteile des Volkes scheinen der fürstlichen Prachtliebe günstig zu sein. Aber es ist ein Unterschied zwischen der Freigebigkeit eines Bürgers und der eines Herrschers. Ein Fürst ist der erste Diener und Beamte des Staates. Ihm schuldet er Rechenschaft über die Verwendung der Steuern." Bemerkenswert ist nicht nur der Inhalt dieser Sätze, sondern fast mehr noch die Haltung, aus der sie formuliert werden. Ein König, der so schreibt, verlässt die repräsentative Rolle des Monarchen und schlüpft in die des Intellektuellen, für den nur der höhere Gesichtspunkt der Vernunft gilt. Friedrich der Große begründet seinen Begriff von Königsherrschaft nicht sakral, kosmologisch oder ständisch-repräsentativ, sondern philosophisch: aus der Idee des Staates.

Das ist ein großer Schritt, denn die historische Voraussetzung in der Epoche des Absolutismus war das umgekehrte Verhältnis: Der Fürst war der Staat, und der Prunk, der ihn umgab, diente keineswegs einer persönlichen Laune, sondern machte den Staat überhaupt erst sichtbar. Der Schritt vom König, der sagt: Der Staat bin ich, zu dem, der sagt: Ich bin der erste Domestike des Staates, bezeichnet eine starke Abstraktionsleistung. Der Monarch hört auf, Hermelin zu tragen, und legt den Uniformrock an wie Tausende seiner Diener auch.

Dieser Abstraktionsschritt wurde zuerst in Preußen getan, unter einmaligen historischen Prämissen, mit gewaltigen Folgen. Dass ein regierender König aus dem Hause Habsburg oder ein Bourbone sich über einen seiner Vorfahren so geäußert hätte wie Friedrich der Große, das ist unvorstellbar.

Das Gedenkjahr zur Begründung der preußischen Monarchie, das 2001 gemeinsam von Berlin und Brandenburg begangen wird, hat also ein großes Thema: den besonderen preußischen Zusammenhang von Königtum und Staatswerdung. Es war daher ein ganz plausibler Gedanke, die Umstände der preußischen Standeserhöhung am 18. Januar 1701 in einer großen Ausstellung näher zu beleuchten und sie dabei in ihren europäischen Verflechtungen vorzuführen.

Diese sind freilich von jeher gut bekannt: Das Hohenzollernsche Länderkonglomerat umfasste Gebiete des Reiches und das lehensunabhängige preußische Ordensland dies und der Umstand, dass der sächsische, hannoversche und bayerische Standesgenosse des brandenburgischen Kurfürsten nach Königskronen strebten - Sachsen in Polen, Hannover in England, Bayern in den spanischen Niederlanden -, ließen es auch dem Berliner Fürsten angezeigt erscheinen, sein Gewicht im komplizierten zeremoniellen Getriebe der europäischen Staatenwelt zu erhöhen: Wer wo bei welcher Friedenskonferenz saß, war keine Nebenfrage, und wer mühsam unterschiedlichste Ländereien zwischen dem Schweizer Jura, Westfalen und Polen anhäufte, tat gut daran, wenn er dafür sorgte, das s sich wenigstens die Gerichte "königlich" nennen durften.