Die Sieger sind die Verlierer, wie so oft in Afrika: Ende April hat Südafrika die mächtigen Pharmamultis in die Knie gezwungen und den Weg für billige Aids-Medikamente freigemacht. Doch noch während die Menschen auf den Straßen Pretorias ihren Sieg bejubelten, rechnete die südafrikanische Gesundheitsministerin Tshabalala-Msimang vor, was für Millionen ihrer Landsleute den Tod bedeutet: Selbst für die stark verbilligten Aids-Mittel fehlt das Geld. Zwar kostet eine antivirale Therapie jetzt nur noch 300 bis 400 Dollar pro Patient und Jahr, 30-mal weniger als in den Industrieländern.

Doch auch das ist für die am meisten betroffenen Staaten südlich der Sahara unerschwinglich - deren Gesundheitsetat pro Einwohner liegt unter zwei Dollar jährlich.

Deshalb braucht Afrika sieben bis zehn Milliarden Dollar im Jahr, um die entfesselte Aids-Epidemie zu bändigen. Diesen humanitären Kraftakt kann nur ein globaler Hilfsfonds bewältigen, in dem die Europäer eine führende Rolle spielen sollten. Denn die Chancen, dass das nötige Geld zusammenkommt, stehen gut.

Ein globaler Fonds zur Finanzierung der modernen Aids-Therapie könnte die Seuche dramatisch eindämmen: Nach Schätzungen der Weltbank ließen sich mit solch einem Fonds allein in Afrika pro Jahr 2,2 Millionen Menschen vor dem Aids-Tod retten. Nebenbei würde die verbesserte medizinische Versorgung etwa die Hälfte der 13 Millionen Menschen retten, die jedes Jahr an anderen Infektionskrankheiten wie Malaria, Lungenentzündung und Tuberkulose sterben.

Auch die reichen Industriestaaten müssen ein Interesse an dem Fonds haben.

Für sie steht die globale Stabilität auf dem Spiel, wenn HIV-verseuchte Entwicklungsländer reihenweise im Bankrott und Chaos enden. Weltweit sind inzwischen 36 Millionen Menschen HIV-infiziert, die meisten in den Entwicklungsländern. Doch nirgendwo wütet die Seuche so verheerend wie im südlichen Afrika.

Bisher sind 17 Millionen Afrikaner an Aids gestorben, sie hinterließen 13,2 Millionen Waisenkinder: In Botswana, Simbabwe und Sambia gibt es ganze Dörfer, die nur noch aus Kindern und Großeltern bestehen. Weil die Erwerbstätigen aussterben, müssen Schulen, Krankenhäuser und Polizeiwachen schließen. Eine todgeweihte Generation Jugendlicher wächst in marodierenden Banden auf, ohne Erziehung und Gesetze. Zaghafte Erfolge der Demokratisierung, etwa in Uganda und Südafrika, drohen von der Seuche zunichte gemacht zu werden.