Rom

Wer über Postfaschisten schreiben will, hat ein großes Problem: Er muss vom Faschismus reden, genau das aber lehnt der Postfaschist ab. "Post ist post", ruft er einem zu und entzieht einem die Grundlage. Man fällt leicht ins Bodenlose und lässt das Ganze lieber bleiben.

Doch jetzt sind die Postfaschisten zusammen mit Silvio Berlusconi in Italien an der Regierungsmacht, und da muss man sich wieder hineinbegeben in das Dilemma zwischen post und Faschismus. Einen Ausweg bietet kein Geringerer an als Gianfranco Fini, der Vorsitzende der Alleanza Nazionale (AN) und wahrscheinlich künftiger Vizepremier Italiens.

"Wissen Sie, was mich eigentlich zur MSI gebracht hat?" Die MSI war Vorläuferpartei der AN und Nachfolgepartei von Mussolinis Partito Fascista.

"Also, ich wollte mir einem Film mit John Wayne anschauen. Vor dem Kino waren linke Demonstranten, die uns am Besuch hindern wollten. Das hat mich aufgebracht, und so bin ich bei der MSI gelandet!" Es waren die späten sechziger Jahre, Vietnamkrieg, Antiamerikanismus, und Fini wandelte sich vom unschuldigen zum politisch engagierten Bürger.

Die Botschaft dieser Geschichte, die Fini jederzeit und gerne erzählt, ist zweifach: Erstens war nicht etwa Mussolini die Ursache für seinen Beitritt zur MSI, sondern John Wayne; und darum hat ein Beitritt zu einer faschistischen Partei nichts mit Faschismus zu tun. Fini also war auf seine Weise immer schon "post".

Das klingt kurios, aber es ist nichts anderes als die Banalisierung einer klaren politischen Strategie. Fini war es, der 1995 die MSI in Alleanza Nazionale umtaufen ließ und den Faschismus als Ideologie für beendet erklärte. Ein Jahr zuvor hatte er zwar noch Mussolini als "größten Staatsmann des Jahrhunderts gelobt". Doch auch ein Fini musste erst lernen, sich an die neuen Zeiten anzupassen.